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Generation L

18.01.2017 60 Reax
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Geschwisterliebe

Buchautorin Linda Solanki.

Geschwister sind was Feines. Ich darf mich glücklich schätzen, gleich drei davon zu besitzen. Zwar würde man unter uns keine Verwandtschaft vermuten, da wir nicht nur physisch, sondern auch vom Charakter her völlig verschieden sind. Uns allen gemein ist einzig die Eigenschaft, grantig zu werden, wenn wir hungrig sind. Meine Schwester, ein kleiner blonder Engel, ist der Sonnenschein der Familie. Sie verfügt über eine blühende Fantasie und ein ausgeprägtes Interesse an anderen Menschen. Da sie erst zwölf Jahre alt ist, lässt sich nur vermuten, was einmal aus ihr wird. Ihrer Liebe zu selbst grausigen Tierarten wie Stabheuschrecken wegen läge Tierärztin nahe. Mein jüngerer Bruder wird dieses Jahr sechzehn, hat mich in der Körperlänge als Familiengrösste jedoch beinahe schon überholt. Ansonsten gleichen wir uns vom Aussehen her kaum. Erschreckend klug, wie meine restlichen Geschwister übrigens auch, erklärte er mir auf meine Matura hin, wie ein Atomkraftwerk funktioniere. Damals war er knapp zehn Jahre alt. Mein älterer Bruder steht mir, auch vom Alter her, am nächsten. Kleiner als ich, blond, blauäugig und Sommersprossig stellt er das genaue Gegenteil von mir dar. Das zeigt sich auch in seiner Persönlichkeit. Ich bewundere ihn für seine Ruhe, seine innere Stärke und sein technisches Geschick. Und ich, ich bin eben ich. Die Abenteuerhungrige, wie mein Vater sagen würde. Die Ungeduldige, Unordentliche, könnte man ebenfalls behaupten. Aber hey, jemand muss ja das schwarze Schaf sein. Tatsache ist, ohne meine Geschwister würde mir etwas fehlen. Klar gab es manchmal Streit, als wir jünger waren. Darüber, wer stärker war, darüber, wer bei Oma auf dem Lieblingssessel sitzen durfte, oder auch einfach nur um des Streitens Willen. Dafür hielten wir zusammen, wenn einer Ärger von unseren Eltern bekam, halfen einander beim Auszug von zuhause, gingen zusammen feiern, ins Kino, in den Zoo. Ich liebe meine Geschwister, gerade weil wir so verschieden sind. Und weil sie nachvollziehen können, dass Hunger schlechte Laune verursacht.

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