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Generation L

08.06.2016 324 Reax
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Allgegenwärtige Pädophilie

Buchautorin Linda Solanki.

Vor kurzem ging ein ziemlich bizarrer Fall durch die Medien. Eine 24-Jährige Lehrerein aus Houston, Texas wurde von ihrem 13-jährigen Schüler geschwängert. Die beiden unterhielten anscheinend eine monatelange Affäre, über die sogar die Eltern des Buben informiert waren. Absurderweise akzeptierten sie das Techtelmechtel. Gegen die Mutter wird nun ermittelt, der Lehrerin droht eine lebenslange Haftstrafe.

Was den pubertierenden Jungen zur Liaison bewegte, kann man sich vorstellen. Mit dreizehn beginnt man gerade den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu entdecken. Man macht Penisvergleiche mit den Gspänli, prahlt mit (meist erfundenen) Eroberungen und will überhaupt beweisen, dass man trotz Kieksstimme und fehlendem Brusthaar schon ein ganzer Mann ist. Mit dreizehn.

Als ultimativer Stecher gilt derjenige, der es schafft, keines der dauerkichernden Mädchen aus der Klasse sondern eine „richtige“, sexuell erfahrene Frau abzuschleppen. Zum Beispiel die sexy Lehrerin, die sich auf Instagram so freizügig präsentiert. Welches hormongesteuerte Pickelgesicht könnte da wiederstehen?

Andersrum jedoch kann man nur von Pädophilie sprechen. Wie man in seinen Zwanzigern noch an einem launischen, unausgewachsenem Teenager gefallen finden kann, werde ich nie begreifen. Und doch reizt dieses Alter wohl mehr Leute, als sie es zugeben wollen.

Wenn ich mich recht erinnere, war es Gisele Bündchen, die einst in einem Interview sagte, dass sie zwar immer noch den ein oder anderen Verehrer zähle, jedoch nie mehr so oft angemacht wurde wie in ihren frühen Teenagerjahren. Die gleiche Erfahrung machte ich auch.

Ich war immer schon grösser als die meisten und eher frühreif. Kann also schon sein, dass ich mit elf Jahren älter aussah, als ich war. Älter als vierzehn jedoch auf keinen Fall. Zudem trug ich noch immer Jeans mit Flicken drauf und den Schulrucksack zu weit oben. Man hätte mich also in dieser Prä-Hipster-Ära eindeutig als Kind erkennen müssen.

Dennoch musste ich mir auf dem Heimweg von der Schule täglich Rufe, Pfiffe und dumme Sprüche gefallen lassen. Als Elfjährige ist es natürlich hochpeinlich, wenn man sich Anzüglichkeiten von Männern irgendwo zwischen zwanzig und dem Alter meines Vaters anhören muss.

Und die Sprüche kannten keine Grenzen. Wir wohnten damals in der Nähe eines Gefängnisses, an dem ich vorbeimusste, wenn ich die Abendrunde mit meinem Hund drehte. Keine Ahnung, warum in der einen Zelle ständig das Fenster offen war; jedenfalls rief mir ein Unbekannter regelmässig zu, dass ich schöne Brüste besässe. Von welchen noch nicht vorhandenen Brüsten er genau sprach, erschliesst sich mir bis heute nicht.

Die täglichen Pfiffe hielten noch drei oder vier Jahre an. Danach flauten die Anmachen ab, beziehungsweise verlagerten sich. Heute wird mir nicht mehr auf der Strasse nachgerufen. Wenn jemand Interesse zeigt, dann in einem normalen Gespräch. Dennoch erreicht die Anzahl, wie oft ich heute angesprochen werde, niemals die Menge von damals. Vielleicht bin ich hässlicher geworden. Vielleicht ist unsere Welt aber auch einfach pädophiler, als wir uns zugestehen wollen.

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