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Generation L

28.07.2016 141 Reax
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Angst vor dem Vermissungsschmerz

Buchautorin Linda Solanki.

Mit Fernbeziehungen habe ich bereits Erfahrung. Einerseits zog mein erster Freund nach zwei Jahren Beziehung für drei Monate nach London, ich unmittelbar darauf für die selbe Zeitspanne nach Madrid. Die räumliche Distanz war damals keine grosse Sache für uns, vielleicht sogar gut, ein wenig Abstand zu gewinnen.

Ein paar Jahre später lernte ich einen Regisseur aus Los Angeles kennen. In Manhattan. Es war also von Anfang an klar, dass wir eine Fernbeziehung führen würden. Auch hiermit hatte ich kein Problem, sondern war glücklich, einmal im Monat ins Flugzeug steigen und quer über die USA zu fliegen, um zehn Tage in einer sonnigen Umgebung, am Strand oder an einem Pool zu verbringen.

Unsere Liaison hielt nicht lange, darum kann ich nicht sagen, wie entspannt ich die Situation nach einigen Jahren gesehen hätte. Allerdings bin ich sowieso ein freiheitsliebender Mensch, der gerne auch mal für sich alleine ist oder Dinge mit Freunden, ohne Boyfriend, unternimmt. Das verhält sich auch mit meinem jetzigen Freund, einem in Paris ansässigen Franzosen, nicht anders.

Neu jedoch sind die Gefühle, die ich für ihn hege. So kitschig, so abgedroschen es klingt, habe ich nie jemanden stärker geliebt. War nie gewillter, zusammenzubleiben und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Dennoch müssen wir uns trennen, örtlich wenigstens, für eine unbestimmte Zeit.

Ich in Zürich, er in Paris, vier Stunden mit dem TGV, no big deal, eigentlich, Wochenendbeziehung. Können andere ja auch und was die können, können wir schon lange und eh doppelt so gut, mindestens. Eigentlich. Theoretisch. Hoffentlich.

Denn in Wahrheit habe ich richtig Schiss. Angst vor der Einsamkeit, vor dem Vermissungsschmerz, vorm Auseinanderleben, vorm Unglück, von der Anstrengung, Missverständnissen und endlosen Zugfahrten, Telefonaten, Leben-verpassen-während-wir-Skypen. Ich habe Angst vor dem Druck, den ich uns selber schaffe und vor der unbestimmten Dauer, die sich in eine Ewigkeit wandeln könnte.

Anderen internationalen Paaren schaue ich optimistisch zu, wie sie es versuchen, ohne geringsten Zweifel, dass sie es schaffen werden. Denn sie lieben sich ja. So einfach ist das.

Warum kann ich anderen vertrauen ohne denselben Glauben auch in uns zu stecken? Warum sabotiere ich grundlos etwas, das funktioniert? Vielleicht, weil es das Schönste ist, was ich je hatte und ich nichts mehr fürchte, als es zu verlieren.

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