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Generation L

27.04.2016 284 Reax
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Auf Tinder Freunde finden

Buchautorin Linda Solanki.

Auf Tinder Freunde finden – theoretisch kein Ding der Unmöglichkeit. Weiss ich aus eigener Erfahrung. Damals habe ich die App durchaus zum Anbandeln benutzt; dass sich daraus eine Freundschaft ergeben hat, ist eher Zufall. Nun aber möchte ich Tinder gezielt und ausschliesslich dazu verwenden, meinen Bekanntenkreis zu erweitern.

Ich verzichte zwar auf ein peinliches Pärchenfoto, schreibe dafür klipp und klar in meinem Profil, dass ich vergeben bin und lediglich nach netten Leuten suche, mit denen ich was trinken gehen, eine Ausstellung besuchen, oder sonst was Spassiges unternehmen kann.

Bei den Likes bin ich grosszügig, schliesslich spielt das Aussehen bei künftigen Kumpels keine Rolle. Ich like also ausnahmslos jeden Vorschlag, den mir Tinder auf den Bildschirm schleudert. Und siehe da: Jedes (!) Like ein Match. Entweder braucht ganz Paris neue Gspänli. Oder die Herren sind sehr, sehr verzweifelt und liken genau wie ich aus Prinzip alles, was sich ihnen anbietet.

Die Nachrichten lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten: „Lass uns auf einen Drink treffen!“, „Freue mich immer, neue Freunde zu treffen!“ oder „Auf eine Ausstellung hätte ich Bock!“ Leider auch: „Hallo Schönheit!“ und „Schade, dass du einen Freund hast!“ Letztere werden sofort ent-matcht. Dem Rest antworte ich.

Zum Beispiel einem Österreicher, der aber, wie sich herausstellt, nur einige Tage in Paris verbringt. Für meine Zwecke uninteressant, da ich doch eher etwas Solides suche. Aber unhöflich sein will ich auch nicht und antworte deshalb weiterhin. Bald wird die Frage gestellt, was ich auf Tinder suche. „Steht in meinem Profil.“ „Ein kleines Abenteuer?“ Igitt, löschen. Auch andere scheinen mein Profil studiert zu haben, ohne ein Wort zu begreifen (lag vielleicht an meinem bescheidenen Französisch). Auf das gerne angenommene Angebot zur Freundschaft folgt meist ein „Du bist sooo süss“. Und du bist sooo was von gelöscht.

Am Ende treffe ich mich mit nur einem von etwa fünfzig Matches – dem einzigen, der es unterlassen hat, in irgendeiner Weise mit mir zu flirten. Wir treffen uns in einem Pub und erscheinen beide unaufregend in Hoodie und Sneakers gekleidet. Ein gutes Zeichen. Auch der weitere Verlauf des Abends gibt Grund zur Hoffnung. Mr. Tinder betont mehrmals, dass er verstanden hat, dass ich vergeben bin. Angeblich mangelt es auch ihm an einem unternehmungslustigen Umfeld.

Nach unserer Verabredung erhalte ich viele Nachrichten. Die meisten davon harmlos, durchaus Dinge, die man mit Freunden teilt. Obschon die oben-ohne Jogging-Selfies meiner Meinung nach nicht nötig wären. Zu einem zweiten Treffen kommt es nicht, denn jedes Mal, wenn er mir vorschlägt, etwas mit ihm und seinen Kumpels zu unternehmen und ich antworte, dass ich gerade mit meinem Freund unterwegs sei, ihn aber mitnehmen könne, passt es Mr. Tinder dann doch nicht mehr.

Und dann das: Mittwochnachts gegen eins erreicht mich seine SMS, ob ich auf ein paar Drinks zu ihm kommen wolle. Er könne nicht schlafen. Ich muss lachen über seine Naivität und über meine, weil ich meinte, im Aufreisserportal Nummer 1 jemanden zu finden, der nichts weiter als Freundschaft will. Darum lösche ich nicht nur seinen Kontakt sondern auch die Tinder-App. In Zukunft probiere ich es lieber mit Grindr.

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