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Generation L

19.04.2016 39 Reax
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Auf Tuchfühlung mit dem Feind

Buchautorin Linda Solanki.

Das Fussballspiel Schweiz-England verfolgte ich live im Wembley Stadion – im Sektor der englischen Fans. Auf Tuchfühlung mit dem Feind, sozusagen. Ich versprach mir ein spannendes Spiel, immerhin ging es für die Schweizer ein Stück weit um die EM-Qualifikation. Wer zugeschaut hat, weiss, dass der Match stinklangweilig war, der 2:0 für die Engländer ausging. Den Abend an sich werde ich jedoch nie vergessen, Dank den wundervollen englischen Fans.

Eigentlich hätte ich etwas anderes erwartet im Mutterland der Hooligans. Viel Gefluche zum Beispiel, nackte Bierbäuche, bemalte Gesichter, eventuell Gewaltausschreitungen. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Erstens trug kaum jemand Trikot. Viele kamen in Hemd und Jeans, vermutlich direkt von der Arbeit, und wirkten eher wie nette Familienväter als wie durchgeknallte Fussballfanatiker.

Zweitens übertrifft kaum jemand die Engländer an Freundlichkeit und Offenheit – zumindest meiner Erfahrung nach, und solange es nicht um die Schotten geht. Diese wurden nämlich, obwohl gar nicht aufgestellt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit beschimpft. Nachdem die Engländer zur ersten Halbzeit nicht viel Aufsehenerregendes geleistet hatten, warfen die Fans dem Team vor, in Wahrheit die verkappte schottische Mannschaft zu sein. Und auch sonst geizte man nicht mit Anti-Hymnen auf die nordischen Nachbarn.

Als die Reihe hinter mir mitbekam, dass sich eine Schweizerin unter ihnen befand, wurde ich nicht etwa ausgepfiffen oder wie die armen Schotten zur Schnecke gemacht. Nein, die Engländer waren geradezu entzückt, einen „Gegner“ ihrem Sektor zu haben und lehrten mir glatt einen ihrer Sprechgesänge, so dass auch ich enthusiastisch rufen konnte: „Roy Hodgson is taking us to Paris.“

Und ich freute mich wirklich. Darauf, an der kommenden Europameisterschaft in Paris vor Ort zu sein und auf die englischen Fans, welche die Austragungsstadien hoffentlich in Scharen besetzen und dort ihre gute Stimmung verbreiten werden. Sollte die Schweiz das mit der Qualifikation trotz provisorischem zweiten Platz doch noch vermasseln, weiss ich nun, wem ich – nach meiner Herzensmannschaft Frankreich – zujubeln werde.

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