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Generation L

13.07.2016 176 Reax
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Aufgewühlt, unzufrieden und verkrampft

Buchautorin Linda Solanki.

Besonders für einen kopfzappeligen Menschen wie mich soll Meditation ja wahre Wunder wirken. Zumindest legen mir das einige Freunde nahe, denen tägliches Meditieren innere Ruhe gebracht hat. «Seit ich meditiere, geht es mir viel besser», beteuerte beispielsweise ein Kumpel und fügte an, bevor ich etwas sagen konnte: «Dabei dachte ich immer, Meditieren sei langweilig.»

Dachte ich auch. Minutenlang in einer unbequemen Sitzposition verharren und meine kostbare Zeit auf Erden mit Nichtstun vergeuden? Nein, danke. Da schaue ich noch lieber «Der Bachelor». Zwar ebenso eine Zeitverschwendung, dafür wird mein Hintern nicht durch hartes Parkett gefoltert.

Nachdem mir aber zum unendlichsten Male vorgeschwärmt wurde, wie toll, nutzbringend, beruhigend und überhaupt Meditieren sei, beschloss ich, der ollen Praxis eine Chance zu geben. Ich kramte also meine staubige Yogamatte hervor, die nun endlich einen Sinn erhalten sollte, stellte den Wecker auf zumutbare zehn Minuten, hockte mich im Schneidersitz hin, schloss die Augen und atmete tief ein und wieder aus.

Und ein und wieder aus. Und ein – Mist, ich hatte vergessen, einkaufen zu gehen. Egal, darum konnte ich mich später kümmern. Erstmal musste ich mich aufs Atmen konzentrieren. Also: Ausatmen, Einatmen, und so weiter und so langweilig. Was brauchte ich denn? Milch auf jeden Fall und Eier und vielleicht – stopp!

So angestrengt ich auch versuchte, bloss die eigene Atmung, ohne Störung irgendwelcher Gedanken, wahrzunehmen, es wollte mir nicht gelingen. Auch der Rat, den mir mein Bruder – selber begeisterter Meditationspraktiker – mitgegeben hatte, Gedanken einfach vorbeifliessen zu lassen, erwies sich als Hafenkäse. Sobald ich nämlich einen Gedanken zur Seite schob, quetschte sich nahtlos der nächste in die Lücke.

Dabei handelte es sich nicht etwa um brauchbare Einfälle, sondern um so banalen Kram wie die Erinnerung an meinen letzten, bereits einige Jahre zurückliegenden Zoobesuch und die peinliche Erkenntnis, dass ich am Morgen vergessen hatte die Zähne zu putzen. Zudem war ich ständig versucht, die Augen zu öffnen, um auf das doofe Handy zu schielen, dessen Wecker einfach nicht klingeln wollte, obwohl seit Beginn der Übung bereits ein halber Tag vergangen sein musste. Zumindest meinem muskelarmen Rücken zufolge, der mit Schmerzen gegen seine ungewohnte, kerzengerade Position protestierte.

Gerade als ich fürchtete, als erster Menschen in die Geschichte einzugehen, der durch zu tiefe Atmung und die einhergehende Langeweile gestorben ist, zeigte mein Mobiltelefon endlich Erbarmen und erlöste mich vibrierend aus der Starre. Statt entspannt und gesammelt fühlte ich mich aufgewühlt, unzufrieden und verkrampft.

Ausserdem war ich wegen der Meditationsübung spät dran für meine Verabredung und einkaufen musste ich ja auch noch. Als ich mit vollen Tüten und geröteten Wangen am Treffpunkt erschien, musterte mich meine Freundin besorgt. «Du wirkst gestresst», sagte sie. «Weisst du, was dir sicher helfen würde? Meditieren.»

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