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Generation L

12.10.2016 194 Reax
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Ausversehen im LSD-Rausch

Buchautorin Linda Solanki.

Vor kurzem befand ich mich zum ersten Mal im LSD-Rausch. Unbeabsichtigt. Eigentlich wollte ich bloss einen Selbsttest für einen Artikel machen. Konkret ging’s um Microdosing, also darum, kleinste Mengen an LSD einzunehmen, die nicht high, dafür konzentrierter und leistungsfähiger machen sollen. Eine Abhängigkeit oder körperliche Schäden seien ausgeschlossen, behaupten mehrere Stimmen im Internet.

Ich war den vielen positiven Meinungen gegenüber skeptisch eingestellt und da ich auch bei intensiver Recherche keinen einzigen Artikel finden konnte, der von eindeutig negativen Auswirkungen berichtete, wollte ich den Selbstversuch wagen in der Hoffnung, auf einen schlechten Aspekt zu stossen.

Statt der empfohlenen 10-20 schluckte ich sicherheitshalber nur 3 Mikrogramm – bin ja Drogennewbie und Leichtgewicht. Mit meinem Laptop machte ich mich auf in ein Café und begann zu schreiben. Tüchtiger oder fokussierter fühlte ich mich nicht, dafür bald schummriger, schwerer, benebelt.

Mein Kopf drehte sich mit meinen Gedanken, immer schneller und schneller. Panisch stolperte ich nach draussen, doch das graue Wetter, die Kälte und mein damit verbundenes Unwohlsein bewirkten bloss, dass ich mich in eine Häuserecke setzte und weinte.

Ich wollte nicht high sein, wollte raus aus diesem Zustand, raus aus der Stadt, weg von allen und allem. Beim Überqueren der Strasse wurde ich fast vom Bus überfahren, weil ich in die falsche Richtung schaute, doch irgendwie schaffte ich es heil nach Hause. Dort nahm ich ein dreistündiges Schaumbad, kuschelte mich anschliessend ins Bett und schaute die lustigste Simpsons-Folge meines Lebens, darauf wartend, dass der Rausch endlich abklang.

Als ich auch am frühen Abend noch nicht wieder normal war, streunte ich ziellos durch die Stadt, rastlos, hoffnungslos. Ich merkte erst, wie viel Zeit vergangen war, als die Laternen auf den Pariser Strassen angingen. Also kaufte ich mir in der Gourmet Abteilung der Galerie Lafayette Tortellini mit Tomaten-Frischkäsefüllung, trottete heim und setzte Kochwasser auf. Zeit – das einzige das half.

Am nächsten Morgen wachte ich dann tatsächlich bei klarem Verstand auf. Das Experiment legte ich für ein paar Tage auf Eis, mich wundernd, was ich wohl falsch gemacht hatte. Vermutlich besass ich bloss eine viel geringere Toleranz als die, ich behaupte mal, an Drogen gewöhnten Microdoser. Endgültig starb der Versuch, als ich beim Umzug mein LSD im Kühlschrank vergass. Ich kann nur hoffen, dass mein Nachmieter die 3 Mikrogramm nicht überschreitet.

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