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Generation L

19.04.2016 133 Reax
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Bierrülpser und Pofalten auf dem Redneck-Schiff

Buchautorin Linda Solanki.

Bei unserem letzten Trip nach London wählten wir die Budget-Variante: die Fähre. Gerade mal 20 Euro kosteten Hin- und Rückfahrt pro Person. Ein Schnäppchen, ja, aber auch eine Geduldsprobe, da die Strecke jeweils acht Stunden in Anspruch nahm. Den Hinweg verschlief ich beinahe ganz, immerhin musste ich für ein Wochenende voller Pubs, Whiskey und Gin-geschwängertem Nachmittagstee vordösen.

Auf dem Rückweg hingegen sass ich hellwach, kriegte also die elend langen acht Stunden mit, genau wie die volle Glorie der Fähre. Und so schlimm wie ihr Ruf ist es gar nicht, das befrachtete Schiff. Klar, manche Passagiere kommen genauso asi rüber wie man es vom «Redneck-Transportmittel» erwartet. Ich spreche von Socken in den Sandalen (und dann noch im Winter!), über Tische hinweg hörbaren Bierrülpser und entblössten Po-Ritzen.

Als die grössten Rednecks – also Leute ohne Stil und Klasse – entpuppten sich jedoch wir. Aus Langeweile verprassten wir die restlichen Pfund teils im Duty Free (Tic-Tac und Cognac), teils an der Bar (Salz und Tequila). Dann mussten wir aufhören, zumindest Einer von uns, nämlich der, der fahren musste, was zu unser aller Glück nicht ich war.

Zum Zeitvertreib begannen wir zu wetten: Darum, in welche Richtung die Fähre als nächstes schwankte, und wer die nächste Po-Ritze erspähte. Der Verlierer musste Absinth trinken. Leider führte die Schiffsbar keinen Absinth im Sortiment, da der Anisschnaps in England nach wie vor verboten ist, also beglichen wir die Wettschulden mit Jim Beam. Nach eineinhalb Stunden torkelten wir zum Auto zurück.

Von der Küste Frankreichs an gestaltete sich die Weiterfahrt deutlich weniger fade, wenigstens für uns Rücksitzpassagiere, die wir laut und falsch dem Weichspülpop im Radio entgegensangen. Für den Fahrer bedeutete es eine Geduldprobe, die er nicht bestand, denn an der Grenze zu Paris nahm er uns das Versprechen ab, das nächste Mal wieder den Zug zu buchen, Ticketpreis hin oder her. Mir soll es recht sein, denn zweieinhalb Stunden reisen ist angenehmer als acht. Und rentiert hat sich das Ganze eh nicht. So viel wie wir an der Bar liegen gelassen hatten, hätten wir nämlich geradesogut für den Eurostar draufzahlen können.

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