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Generation L

06.10.2016 795 Reax
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Der Starrer im Zug

Buchautorin Linda Solanki.

Grundsätzlich mag ich Männer. Das möchte ich festhalten, weil sie in meinen Texten nicht immer gut wegkommen. Dabei geht es dort stets um Individuen, nicht um die Allgemeinheit. So auch hier.

Ich stand im Zug bei den Türen und las ein Buch. Es ging nicht lang und ein älterer Mann, der mich beim Einsteigen gesehen haben musste, kam vom oberen Abteil herunter, stellte sich direkt vor mich hin und starrte. Mehr tat er nicht; er stand da einfach und starrte und grinste dabei wie ein Kind beim Geschenkeauspacken.

Erst dachte ich, er schaue an mir vorbei auf die Anzeigetafel und rückte etwas zur Seite. Seine Augen rückten mit. Also hob ich den Blick und wollte ihn mit seinem unangebrachten Benehmen konfrontieren, doch er war schneller: „Sind Sie Albanerin?“

Was ihn das angehe, hätte ich zurückpfeffern sollen, aber ich war so perplex über seine Dreistigkeit, dass ich bloss genervt antworte, ich sei Schweizerin. Aha, sagte er und zottelte ab, vermutlich enttäuscht über meine Nationalität. Ich blieb wütend und ratlos zurück.

Was treibt Männer wie das oben genannte Beispiel zu so einem Verhalten? Was erhoffen sie sich davon? Denken sie, Frauen fühlen sich geschmeichelt, wenn man sich vor sie hinstellt und gafft? Hat dieser Typ geglaubt, ich willige einer Verabredung ein (sofern uns meine Nationalität unserer nicht in die Quere gekommen wäre)? Und am allermeisten: Hat diese Taktik schon jemals in irgendeinem Fall funktioniert?

Dasselbe gilt für alle Heinis, die eine vorbeilaufende Frau erst so penetrant anstieren, dass die Augäpfel zu platzen drohen, um ihr dann Kussgeräusche hinterher zu schmatzen oder Schnalz- und Zischlaute zu machen, mit denen man normalerweise Hunde und Katzen lockt.

Warum tut man so was? Klar, um Aufmerksamkeit zu generieren. Aber, wie gesagt, ich bezweifle, dass damit Sympathien geweckt werden. Alles, was damit bewirkt wird, ist, dass Frauen sich ab den Männern nerven und der eh schon viel zu breite Geschlechtergraben weiter ausgehöhlt wird. Das ist schade, und unfair allen normalen Männern gegenüber. Darum, liebe Starrer, Schnalzer und Zischer, einfach mal so mit uns Frauen umgehen, wie ihr selber auch behandelt werden möchtet. Vielleicht klappt’s ja dann mit der Liebe.

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