Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

28.09.2016 343 Reax
teilen
teilen
6 shares

Der Teenager im Manne

Buchautorin Linda Solanki.

Neulich im Zug: Eine Gruppe in zwei Viererabteilen formt alleine die Geräuschkulisse. Schamlos versucht jeder den anderen zu übertönen. Gewinner ist wie so oft derjenige, der am wenigsten zu sagen hat, dafür aber die meisten Worte braucht. So weit so okay, zumindest für mich, da ich Lärm mag und animierte Gespräche sowieso.

Was ich hingegen nicht mag, sind Ausdrücke wie „Fotze“, „Hure“ und „Krüppel“, die der Schreihals beinahe im Sekundentakt rauslässt. Aber gut. Wir steckten ja alle mal in der Pubertät und versuchten diesen unangenehmen Zustand mit dem inflationären Gebrauch von Fluchworten zu vertuschen.

Dazu passt auch das exzessive Biertrinken, das stolz in den Wagon posaunt wird, sowie der omnipräsente Hunger, der den sich im Wachstum befindende Körper auszeichnet („Hat’s noch Chips?“, „Was gibt’s für Sandwiches?“ „Essen wir jetzt endlich?“). Als er sich dann auch noch brüstet, wie er als professioneller Einparkierer die Autos seiner Kunden zu Schrott gefahren hat, weil diese ihm seines Ermessens nach zu wenig Trinkgeld gegeben haben, spüre ich Mitleid mit diesem hormonübersprudelnden Trottel, der offensichtlich nach Aufmerksamkeit lechzt.

Der Schock folgt, als der vermeintliche Teenager sich erhebt, um zur Toilette zu gehen. Statt eines Pickelgesichtes blicke ich einen Mann an. Zumindest was die Physis betrifft. Denn dass ein Vierzigjähriger nach dem Toilettengang damit prahlt, mit exzessiven Spülen das Zug-WC kaputt gemacht zu haben, kann und will ich nicht akzeptieren.

Tatsächlich entnehme ist weiteren lautstarken Ausführungen zu entnehmen, dass er nicht nur Vater sondern auch Geschäftsinhaber ist. Beides gibt Grund zur Sorge, vor allem, wenn er Sprüche fahren lässt wie „Kinderkriegen ist wie Kaka-machen“, „Meine Schwester, diese Hure, lässt sich ja auch von jedem durchpoppen“ oder einfach mal in den Wagon hineinruft, er habe eben gefurzt.

Ich bin total für die Bewahrung des Kindes im Manne. Oder in der Frau. Auf Teenager in der Midlifecrisis kann die Menschheit jedoch gut verzichten. Wobei ich geistige Unreife und ein Flair für Fäkalsprache nicht ausschliesslich der Jugend zuschieben will. Das wäre unfair. Denn es gibt auch Menschen, die sind einfach nur bescheuert. Da hilft scheinbar auch die gesammelte Lebenserfahrung nichts.

teilen
teilen
6 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages