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Generation L

21.09.2016 699 Reax
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Die perfekte Party

Buchautorin Linda Solanki.

Als es wieder einmal darum ging, ob die samstägliche Barrunde in einem Club weitergeführt werden solle, brach statt wilder Begeisterung bloss lustloses Schulterzucken aus. Dies nicht etwa, weil der Alkohol unseren Körpern der Magnesiumvorräte beraubt hätte und wir infolge Muskelkrämpfen unterlagen, sondern weil keiner von uns sich erinnern konnte, wann er die letzte richtig grossartige Party erlebt hatte. Eine Feier, bei der man morgens um fünf auf die Uhr schaut und überrascht feststellt, wie die Stunden verflogen sind, und dann trotzdem noch bleibt, bis das Licht angeht. Eine, die einem anderntags jedem Kater zu trotz mit einem Lächeln aufstehen lässt. Eine, bei der man tanzt, lacht, plaudert, trinkt, ohne auch nur einmal ans warme Bett, Pizzaresten im Kühlschrank oder die angebrochene Netflix-Serie zu denken. So eine, wie wir sie früher oft und mit der Zeit immer seltener erlebt haben. Liegt’s an uns? Bestimmt. Denn die Clubs bieten so wenig wie eh und je und eigentlich auch früher schon nichts. Was bin ich um die Welt gejagt, war an den Golden Globes, bei Rapper Diddy zur Superbowlsause, mit Leo DiCaprio am Tisch, in irrsinnigen Villen, bei denen Models hinter der gemieteten Bar standen, an Yacht-Partys in Miami, in geheimen Pop-up- Clubs in New York und fand’s jedes Mal einfach nur langweilig. Vielleicht war es Zeit, dem Nachtleben ade zu sagen. Mit Abendessen, Theaterbesuchen und Konzerten liessen sich Wochenenden ebenfalls prima füllen, und das erst noch ohne dass man am Folgetag tausend Tode starb. Dennoch stimmte mich die Erkenntnis traurig, dass ich meiner liebsten Freizeitbeschäftigung entwachsen war. Dann, während meiner Sommerferien in der Bretagne, wurde ich an den Geburtstag eines jener Sprosse eingeladen, die ihren Urlaub seit Kind auf in der elterlichen Villa in Westfrankreich verbringen. Auf dem Plan stand auch der Besuch des lokalen Nachtclubs, wenn man den Schuppen überhaupt so nennen darf, dem einzigen weit und breit. Ohne spezielle Erwartungen oder Motivation zottelte ich mit – und erlebte prompt einen der schönsten Abende meines Lebens. Oder zumindest der letzten drei Jahre. Warum das? Am „Club“ kann es kaum liegen, obwohl er mit als Piraten verkleideten Tänzern, den grössten Hits von Justin Bieber und Konsorten sowie einer drehenden Tanzfläche auftrumpfte. Dafür stimmte der Mix aus Leuten – feierwütige Pariser gepaart mit der provinziellen Jugend –, Alkohol – von Absinth bis Zwetschgenschnaps war alles dabei – und der allgemeinen Stimmung: Als ich um sechs Uhr morgens ins Bett taumelte, war ich fix und fertig aber überglücklich. Selten hatte ich so viel gelacht, so ausgelassen getanzt, war so oft hingefallen (verdammte Drehscheibe!) und hatte so laut bei Justin Biebers „Love Yourself“ mitgesungen (verdammter Zwetschgenschnaps!). So müssen sie eben sein, diese perfekten Nächte: Spontan, albern, ausgelassen und vor allem unerwartet.

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