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Generation L

19.04.2016 53 Reax
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Die Stimmung in Paris nach den Attentaten

Buchautorin Linda Solanki.

Am Tag danach laufen alle mit einem sichtbaren Kloss im Hals herum. Die Stimmung ist gedrückt, um es milde auszudrücken. Man sieht den Menschen auf der Strasse den Schmerz, die Ratlosigkeit, den Schock an, unter dem wir nach der Schreckensnacht alle leiden. Erst gegen Nachmittag verlasse ich meine Wohnung, in der ich mich in der Nacht zuvor verschanzt habe. Dennoch scheine ich eine der Ersten zu sein, die sich ins Freie wagen. Viele meiner Freunde verbringen den Tag zuhause, in Sicherheit. In Trauer.

Mein Vater ruft mich an und bittet mich die nächsten Tage ebenfalls drinnen zu bleiben. Ich erkläre ihm, dass ich das nicht kann und verspreche, mich von Touristenattraktionen und belebten Plätzen fernzuhalten. Stattdessen flüchte ich nach Chinatown, an den äusseren Rand von Paris. Ein Quartier voller unbekannter Gerüche, fremden Schriften, und exotischen Speisen, das sich wenig europäisch anfühlt, und genau deshalb in diesem Moment tröstlich wirkt.

Ich habe längst aufgehört mich zu fragen, wie Menschen zu so einer Gräueltat fähig sind. Wie es möglich ist, so sehr zu hassen. Denn verstehen werde ich es sowieso nie. Das Internet bietet viele tröstliche, weise und schöne Sprüche, die nach einer Tragödie wie dieser fleissig auf Facebook geteilt werden. Besonders gefällt mir dieser:

„Unterschätze nie die grenzenlose Grausamkeit einiger Leute. Und unterschätze ebenfalls nie, wie viel Gutes in allen anderen gefunden werden kann.“

Nach den Attentaten von Paris hat die Welt gezeigt, wie viel Gutes in ihr steckt. Das fängt mit dem Twitter-Hashtag #porteouverte an, unter dem Pariser den deutschen Fussball-Fans und anderen Ortsfremden in der Nacht auf Samstag Unterschlupf in ihren Wohnungen boten, und geht weiter mit den Blutspendezentren, die am Samstagmorgen von spendewilligen Einheimischen und Touristen überrannt wurden.

Ich wurde am Freitagabend trotz meiner Fassungslosigkeit und Trauer überwältigt von meinen Freunden, meiner Familie und meinen Bekannten, die mich angerufen und sich per SMS oder Facebook nach meinem Wohlergehen erkundigt haben. Sie spendeten mir Trost, einige von ihnen blieben stundenlang mit mir am Hörer, damit ich nicht alleine war. Und ich merkte, dass es ihnen genauso nahe geht wie mir, obwohl sie sich gar nicht in Paris befanden. Weil es eben keine Franzosen, sondern in erster Linie Menschen waren, die gestorben sind. Und weil man trotz des ganzen Terrors nie unterschätzen darf, wie viel Gutes die meisten in sich tragen.

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