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Generation L

19.04.2016 179 Reax
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Dusch-Dilemma

Buchautorin Linda Solanki.

In meiner Wohnung läuft seit gestern kein Warmwasser. Das ist nicht lustig, wenn es sich draussen wie im Gefrierfach, und auch drinnen eher moderat geheizt als mollig anfühlt. Zudem hat sich der Boiler wirklich den allerdümmsten Moment ausgesucht, um zu streiken. Am Abend vor der Katastrophe, Sonntag, war ich nämlich im Yoga. Hot Yoga. Und habe geschwitzt wie ein sprichwörtliches Schwein. Zwar habe ich mich danach abgeduscht, die Haare jedoch liess ich in einem vor Schweiss verklebten Rossschwanz.

Eklig, ja. Aber das mit Grund. Am nächsten Tag, Montag, stand nämlich ein Videodreh an, und ich dachte mir, dass meine Haare besser aussehen würden, wenn ich sie am selben Morgen wasche. Nach dem Aufwachen folgte der Schock: Aus der Dusche lief ein Strahl, der sich wie Eissplitter in meine Haut hackt. Und in zwei Stunden musste ich meinen Job antreten.

Ich warf mir schnell Jogginghose und Daunenmantel über, fuhr müffelnd mit der Métro (ich war zumindest nicht das Einzige, das in der U-Bahn unangenehm roch) zu meinem Freund und schrubbte mich in seinem Bad zu neuer Frische. Zum Glück hatte er an diesem Montag ausnahmsweise frei und war zuhause. Dann hetzte ich zu meinem Termin, rief unterwegs meine Vermieterin an und bat sie, einen Klempner zu rufen.

Der Klempner erschien sogar am selben Tag, drehte und schraubte an verschiedenen Knöpfen herum und meinte dann, „ça marche“, es funktioniere wieder. Ich wollte ihn küssen vor lauter Freude, dabei hätte ich meinen Fokus lieber darauf gelegt, den Finger länger als ein zwei Sekunden unter das lauwarme Wasser zu halten. Dann hätte ich nämlich da schon gemerkt, dass es nach ein paar Sekunden statt wärmer nur wieder kälter wird.

So aber fand ich es in der Nacht heraus, als ich regendurchtränkt nach Hause kam und nichtsahnend unter die Dusche stieg. Glaubt mir, betrunken und durchgefroren von einem Schwall kaltem Wasser getroffen zu werden, ist grausam. Besonders, wenn man Wohle und Wärme erwartet hat. Das war gestern.

Heute, Dienstag, konnte ich leider nicht mehr zu meinem Freund, da er bei der Arbeit ist. Notgedrungen fuhr ich zu meinem Yogastudio, wo ich mich mit Handtuch und Duschgel bewaffnet in die Duschen schlich. Der Klempner hatte bereits eine wütende Nachricht in seiner Mailbox.

Nun steht besagter Klempner wieder vor meinem Boiler und behauptet „il n’y a aucune problème, mademoiselle“, es gäbe seiner Meinung nach kein Problem, er verspricht mir aber dennoch, die Hand unter den Duschstrahl zu halten und seine Meinung gegebenenfalls zu revidieren.

In dem Moment ruft mich ein Bekannter an. Verzweifelt schildere ich ihm meine Situation und gestehe meine Vermutung, dass auch dieser Besuch des Klempners fruchtlos bleiben wird. Er sieht es positiv. „Wir Franzosen duschen laut dem Rest der Welt ja eh nicht. Bald wirst du riechen wie eine richtige, rustikale Französin“, scherzt er. Nein, danke. Ich schnappe mir schon mal Duschgel und den Mitgliedausweis des Yogastudios.

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