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Generation L

02.06.2016 295 Reax
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Ein Land liegt lahm

Buchautorin Linda Solanki.

Manchmal frage ich mich schon, wie Frankreich als Staat funktionieren kann. Wegen jedem Scheiss wird gestreikt, zum Beispiel, weil die Uniform ihre Farbe ändern soll oder wegen sonstigen minimen Einschnitten in die Gewohnheit. Dabei haben die Arbeiter in Frankreich so viele Rechte wie kaum in einem anderen Land.

Ganze zwei Jahre lang nach dem Zeitpunkt ihrer Entlassung kriegen sie noch Geld von ihrem ehemaligen Arbeitgeber ausgezahlt. Für die Miete müssen sie, sofern sie kein Gewissen besitzen, theoretisch nichts davon berappen. Ein Gesetz verbietet es den Vermietern nämlich, Zahlungsunwillige aus ihren Räumlichkeiten zu schmeissen.

Ich kenne eine Familie – eine Mutter mit ihren zwei Söhnen –, die sich in einer engen Zweizimmerwohnung an der Pariser Stadtgrenze einnisten musste, obschon ihn eine geräumige Liegenschaft im Zentrum gehört. Das Problem: Sie haben diese vor einiger Zeit an eine unzuverlässige Person vermietet, die ihren Zahlungspflichten bisher noch kein einziges Mal nachgekommen ist. Dagegen tun kann die Familie nichts.

Die französische Linke posaunt gerne herum, dass sie sich für den Schutz des kleinen Mannes einsetzt. Aber sind Vermieter denn automatisch grosse Männer? Haben nicht auch sie vielleicht eine Hypothek abzubezahlen und überhaupt ein Recht auf Fairness?

Nun will die Politik ein Arbeitsreformgesetz durchbringen. Unter anderem beinhaltet dies eine Aufhebung der 35 Stunden Woche als Massnahme zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosenquote. Natürlich wird auch dagegen wieder gestreikt, dass sich die Balken biegen. Die Gewerkschaften wollen lieber noch weniger arbeiten, noch jünger in die Pension und das selbstverständlich mit einem höheren Gehalt.

Zurzeit streiken die Züge, die Öl-Lieferanten und die Atomkraftwerke und damit die Stromversorger. Gleich alle miteinander. Das Land liegt lahm. Diejenigen, die arbeiten wollen, können nicht, da ihr Auto nicht mehr fährt, sie nicht auf den Zug umsteigen können oder eh keinen Strom im Büro haben.

Die Angst der Bevölkerung vor weiteren Terroranschlägen wächst – jetzt, wo die Regierung schön mit diesem Chaos abgelenkt ist –, genauso wie die Wut auf ein paar Unruhestifter, unter deren Fuchtel das ganze Land steht. Die einzige, die davon profitiert, ist die Front National, Frankreichs ultrarechte Partei. Kein Wunder, wollen viele junge Franzosen, vor allem die Gebildeten, ihr Land so bald wie möglich verlassen. Denn Frankreich, so ihre Meinung, habe keine Zukunft.

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