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Generation L

03.08.2016 156 Reax
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Ein Ritt auf Todesrollen

Buchautorin Linda Solanki.

Meine sportlichen Versuche gehen meistens in die Hose. Das nächtliche Inlineskating durch Paris stellt da keineswegs eine Ausnahme dar. Dabei hatte ich beim Abstecher in Zürich eigens meine „Roller“ aus dem Keller geholt und in den Koffer gepappt, um damit beim pariserischen Pendant zum hiesigen Monday Night Skate mit zu flitzen.

Am Freitag dann, dem Abend der Veranstaltung, fuhr mit den Teilen unter dem Arm zum Gare Montparnasse, wo man sich zur gemeinsamen körperlichen Betätigung traf. Sandalen aus, Skates an, und – oh Schreck! – die Bremse fehlte.

An der Stelle, an der sich normalerweise der Bremsklotz befindet, hing nur noch dessen zerfleddertes Gerüst. Dunkel erinnerte ich mich an die Absicht den Klotz zu ersetzen. Und daran, diese Erkenntnis schon einige Male gehabt zu haben, was auch das zum Skelet gebremste Gerüst erklärt.

Nun ja, dachte ich mir, ohne Bremse fährt es sich zwar schlecht, aber da sich mittlerweile rund einhundert Skatewillige um den Platz versammelt hatten, schätzte ich das Tempo unserer Truppe auf Schildkröte ein. Ich würde also bei Bremsnot einfach gemächlich ausfahren lassen.

Bald fiel der Startschuss, die Ersten sausten los, ich folgte geruhsam. Keine zehn Sekunden später fand ich mich an letzter Stelle wieder. Nix mit Schildkröte, eher Gepard. „Mach schneller“, polterte einer der Organisatoren, der eigentlich das Schlusslicht bilden sollte. „Wir sind hier in der fortgeschrittenen Gruppe. Die Trödler treffen sich am Sonntagnachmittag.“

Oops. Ich legte also einen Zahn zu, holte keuchend und ungelenk mit den Armen rudernd zum Zweitletzten auf – als auf einmal alle anhielten und ich in einem Affentempo an ihnen vorbei auf die offene Strasse zu rauschte. Im letzten Moment konnte ich mich an einem armen Teufel festkrallen, wobei es einzig seiner beleibten Statur zu verdanken ist, dass ich ihn nicht zu Boden riss.

Zeit, mich vom Schock zu erholen, hatte ich nicht, denn sobald das Gelächter verstummt war, ging es weiter. Diesmal, wie es schien, noch schneller. Man hatte sich vorhin erst aufgewärmt, informierte mich der Schlusslicht-Organisator, der sich nun nervigerweise schon wieder neben mir befand. Mitleidig nahm er mich an der Hand und zog mich mit. Mein Herz raste, als wir über Asphaltlöcher holperten.

Eine knapp überlebte Todeskurve später tat ich allen einen Gefallen und stieg aus. Erschöpft sank ich auf einer Bank nieder und holte meine Sandalen hervor. Aber statt zwei hielt ich nur einen Schuh in der Hand. Der andere musste beim Herumdüsen aus der Tasche geflogen sein.

Mir blieb also nichts Anderes übrig als den Heimweg in Skates anzutreten. Zweieinhalb Stunden brauchte ich dafür, vor allem, weil ein grosses Stück des Weges bergab führte und ich folglich andauernd in Bäume, Pfosten und Mauern knallte, um meine Geschwindigkeit zu bremsen.

Zwei Tage später plagte mich noch immer der Muskelkater. Nicht in den Beinen, sondern, vom vielen Abprallen, in den Armen.

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