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Generation L

26.10.2016 167 Reax
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Ein Sonntag mit Hollywood-Stars

Buchautorin Linda Solanki.

Neulich war ich an einem Dinner mit Ewan McGregor und Joseph Gordon-Levitt. Das wäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert, schliesslich befand sich im Rahmen des Filmfestivals halb Hollywood in Zürich und halb Zürich im Terrasse, wo ebendieses Dinner stattfand. Nur wusste ich nichts von meinem Glück.

Am Sonntagabend fläzte ich mich nämlich, wie leider viel zu oft, in rosa Trainerhosen auf dem Sofa, schaute Zeichentrickfilme und mampfte Spaghetti, während die Aussenwelt allmählich von der Dunkelheit verschlungen wurde. Wohlig warm eingekuschelt, überfressen und faul vermochten mich keine zehn Pferde von der Couch hochreissen. Eine Einladung ins Terrasse jedoch konnte es.

Ein befreundeter Produzent weilte gerade in der Stadt und schlug vor, kurz bei einem Drink zu plaudern. Flugs tauschte ich die Jogginghose gegen eine nicht viel elegantere Jeans, liess das ebenso unspektakuläre T-Shirt gleich an und verwarf aus Bequemlichkeit die Idee gleich wieder, meine ungeschminkte Visage zumindest durch Mascara aufzuwerten. Aus dem Alter, mich fürs Terrasse und die Zürcher Schickeria aufzubrezeln, bin ich raus. Zudem sollte es ja ein kurzes Vergnügen werden – ein Drink, mehr nicht. Der Montag lauerte schon ums Eck.

Im Vogelscheuchen-Look machte ich mich also auf den Weg. Als ich das Lokal schliesslich erreichte und die dort lauernden Paparazzi sah, wunderte ich mich schon ein bisschen. Zeitgleich erreichte mich eine SMS vom Produzenten: „Bin beim Dinner mit Ewan McGregor und Joseph Gordon-Levitt. Was hast du an? Müssen dich reinschmuggeln.“

Ja, das hätte man mir lieber mal vorher gesagt, denn mit prunkvoller Tracht konnte ich wahrlich nicht punkten. Trotzdem schafften wir es, mich unbemerkt in den Saal zu schleusen, wo ich glücklicherweise noch ein Plätzchen am Ende einer Tafel fand – jedoch nicht an derjenigen, an der die Schauspieler speisten.

Gottseidank, könnte man sagen, sonst hätte ich der Schweiz möglicherweise noch einen Image-Schaden zugefügt. Aber auch abseits der Celebrities fühlte ich mich arg underdresssed, zumal mir Herrschaften in Anzug und Abendroben gegenübersassen. Das sagenhafte Essen, die Live-Musik und faszinierende Tischgespräche vermochten mich dennoch in gute Stimmung zu versetzen.

Und spätestens bei den Verdauungs-Cocktails war mein unpassendes Outfit ohnehin vergessen. Ich feierte – ohne McGregor oder Gordon-Levitt, die schon früh verschwanden – den Sonntag und das manchmal doch überraschende Zürich, das einen harmlosen kleinen Drink zu einer rauschenden Party mit illustren Gästen wandeln kann. Nur der Montag, der knallte mir völlig unüberraschend schonungslos ins Gesicht.

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