Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

19.04.2016 362 Reax
teilen
teilen
2 shares

Einmal die Betrogene, nie mehr die Betrogene?

Buchautorin Linda Solanki.

Eine meiner Freundinnen kam nach einem Jahr Beziehung dahinter, dass ihr Freund sie betrog, und zwar nicht nur in einem einmaligen Ausrutscher, oder immerhin bloss mit einer Person. Nein, mit zig Frauen hatte er sie hintergangen. Praktisch jedes Mal dann, wenn sie nicht bei ihm war.

Logisch, dass ich alle Pläne für den Abend absagte, als sie mich heulend anrief. Wenige Minuten später traf ich zeitgleich mit einer anderen Freundin und deren Schwester bei ihr ein. Drei andere Kolleginnen waren schon da. Wir öffneten ein paar Flaschen Wein – Eiscreme hilft in solchen Fällen auch nichts mehr – und hockten uns in kuschelige Decken gehüllt im Wohnzimmer hin.

Kaum floss der Alkohol, flossen auch die Tränen wieder. Nachdem wir alle unsere Pflichtsprüche aufgesagt hatten („So ein Scheisskerl“, „Du hast besseres verdient“, „Dem werde ich bei der nächsten Begegnung den Arsch aufreissen“), sagte diejenige, die ihre kleine Schwester mitgeschleppt hatte: „Sei froh, dass du’s rausgefunden hast. Sowas passiert dir nie wieder.“

Sie selber wurde damals von ihrer grossen Liebe mit einem One-Night-Stand betrogen. Danach schwor sie sich, dass sie nie mehr auf ein Arschloch reinfallen würde. Tatsächlich wurde sie seither – so weit sie weiss – nie mehr betrogen. Sie war aber seither auch nie mehr verliebt, oder hat überhaupt jemanden emotional an sich herangelassen.

Ihre Schwester, zarte vierzehn Jahre alt, trumpfte mit einer noch traurigeren Geschichte auf: Nachdem sie ihren Freund küssend mit ihrer besten Freundin erwischt habe, habe sie sich die Pulsadern aufgeschnitten. Glücklicherweise wurde sie rechtzeitig von ihrer Mutter gefunden. Die Narben agieren als ständiger Warnhinweis davor, je wieder einem Mann zu vertrauen.

Alles Schweine, alle gleich, hiess es aus sämtlichen Ecken. Ich war die einzige, die widersprach. Klar gibt es schlechte Menschen und somit auch schlechte Männer. Manche von ihnen erkennt man von weit entfernt – was dennoch für viele Frauen kein Grund ist, die Finger davon zu lassen, im Gegenteil.

Andere jedoch verstecken ihren Charakter geschickt. Sie scheinen nett, hingebungsvoll, ehrlich. Und täuschen (und enttäuschen) so Frauen, die genau nach diesen Eigenschaften suchen. Das tut nach der Erkenntnis weh, das Vertrauen ist verständlicherweise weg. Aber ich finde es wichtig, dass alleine das Vertrauen zu dieser einen Person verschwindet und von einem miesen Hund nicht gleich auf das ganze Rudel geschlossen wird.

Wir alle haben negative Erfahrungen gemacht. Ich bin da keine Ausnahme. Meine erste Beziehung hätte genug Konfliktstoff geboten, um mich auf ewig zu traumatisieren. Doch das wollte ich nicht. Ich wollte nicht glauben, dass alle Männer so sind. Und wisst ihr was? Sind sie auch nicht. Ich habe in den Jahren darauf genug Typen kennengelernt, die mir das Gegenteil bewiesen. Ich fand es wichtig, meiner liebeskummergeplagten Freundin das mitzuteilen, damit sie ihr Herz nicht wegen eines Idioten für alle aufrichtigen Männer verschliesst.

teilen
teilen
2 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages