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Generation L

19.04.2016 208 Reax
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Exzentrische Traumwelt

Buchautorin Linda Solanki.

Vor kurzem hatte ich das Glück an einem Shooting im Shangri-La Hotel in Paris teilnehmen zu können. Uns wurden zwei Suiten zur Verfügung gestellt, die Impériale und die Shangri-La, und ich kann gar nicht sagen, welche mich mehr beeindruckt hat: Die moderne Shangri-La im obersten Stock mit dem ausladenden Balkon mit direktem Blick auf den Eiffelturm, den Grand Palais und die Sacre Coeur, oder die bombastische Impériale; Roland Bonapartes ehemalige Wohnung mit deckenhohen Fenstern, schweren Vorhängen, Goldverziehrungen und einem Bad, das grösser ist, als das durchschnittliche Pariser Apartment. Beide, so wurde mir gesagt, kosten um die 15'000 Euro pro Nacht. Verrückt!

Als nicht minder verrückt entpuppten sich die beim Shooting involvierten Gestalten. Die Leute im Modebusiness, oder generell in einem kreativen Metier, sind ja in der Regel etwas ausgeflippter als der Rest. Aber mit einem quasi stummen Co-Model, der bei jedem Körperkontakt verschämt kicherte, hatte ich nicht gerechnet. Ebenso wenig mit einem lammsanften Designer, der sich an dem Tag bestimmt einhundertmal für seine etwas eng ausgefallene Kreation entschuldigte – wobei der am Hintern kneifende Stoff nicht seiner Schneiderkunst sondern einzig der Tatsache zu verschulden war, dass ich unlängst das weltbeste Mousse au Chocolat im Feinkostgeschäft meiner Strasse entdeckt hatte – oder einem herrischen Casting Director, der den armen Assistenten durch halb Paris jagte, um ein bisschen Tofu für mich ausfindig zu machen. Mousse au Chocolat wäre in dieser karnivoren Stadt wesentlich einfacher aufzuspüren gewesen.

Nichts toppte jedoch die Damen von Hair und Makeup. Während ich brav auf meinem Stuhl hockte und an mir herum zupfen, pudern, tuschen liess, gaben sie sich Tipps, welcher Instagram-Filter die Fältchen am besten überdecke, und welcher Arzt selbige zuverlässig wegspritze. Ihre botoxstarren Gesichter verrieten kein Alter, aber über Facebook fand ich heraus, dass sie lediglich drei Jahre älter waren als ich – zum Teil jedoch bereits das erste Lifting hinter sich hatten.

Auch kannten sie nicht nur je einen Doktor ihres Vertrauens für kosmetische Anliegen; in ihrem Adressbüchlein befanden sich ausserdem die Kontaktdaten eines Chiropraktikers, eines Osteopathen, eines Ernährungsberaters, eines Hautarztes und vermutlich sogar eines Veterinärs, ich habe irgendwann nicht mehr hingehört.

Trotz oder gerade weil das Team aus ausgefallenen Charakteren bestand, übertraf das Ergebnis unsere Erwartungen. Lange nachdem die Sonne untergegangen war, schloss ich die Türe der Impériale Suite hinter mir und verliess damit diese exzentrische Traumwelt.

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