Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

19.04.2016 277 Reax
teilen
teilen
2 shares

Feige Herzen

Buchautorin Linda Solanki.

Meine Freundin lernte zwei Monate vor ihrer Abreise aus Paris einen Kerl kennen. Einen, der sie umhaute. Sie sei total verliebt, gestand sie mir keine Woche, nachdem sie ihn das erste Mal getroffen hatte. Ich gönnte es ihr, obwohl das Timing denkbar schlecht war. Aber wer wusste schon, was in zwei Monaten war. Ob sie sich überhaupt noch mögen würden; ob sie sich so sehr mögen würden, dass sie beschlossen, die räumliche Distanz nicht zu einem Hindernis werden zu lassen; oder ob ein schmerzreicher Abschied auf eine aufregende, zeitlich begrenzte Liebe folgen würde.

Gerade weil Gefühle schlecht vorhersehbar sind, fand ich es super von meiner Freundin, dass sie sich auf die Affäre einlassen wollte. Fairerweise teilte sie ihrem Typen ihre baldige Abreise gleich zu Beginn mit. Er nahm es zur Kenntnis, danach wurde das Thema nie mehr angesprochen.

Sie verbrachten sechs wunderschöne Wochen miteinander. Bei jeder Begegnung kamen sie sich näher, wurden vertrauter, fühlten sich stärker zueinander hingezogen. Doch dann, ohne Vorwarnung, verschwand er. Nicht ganz, denn er meldete sich weiterhin oft per SMS, gab sich dabei genauso liebevoll wie bei ihren Zusammenkünften. Nur sehen wollte er sie nicht mehr. Jedes Mal, wenn sie ihn um ein Treffen bat, brachte er eine fadenscheinige Ausrede, bis er ganz abblockte.

Sie verstand nicht, warum er sich so verhielt, wo sie vorher doch so eine schöne Zeit miteinander erlebt hatten. Für mich hingegen war der Fall klar: Der Herr hat Schiss. Angst vor einem gebrochenen Herzen. Angst, dass es noch mehr wehtun wird, sie gehen zu lassen, wenn er sie weiterhin trifft. Angst vor den eigenen Gefühlen. Darum wählte er den vermeintlich einfacheren Weg, die Flucht nach hinten.

Ich finde seine Entscheidung sehr schade. So lehrt uns doch schon ein bekannter anglophoner Spruch: It is better to have loved and lost than never to have loved at all. Wäre es nicht besser gewesen, das Glück bis zum letzten Moment zu geniessen und dann die Konsequenzen zu tragen? Kein Kummer einer in die Brüche gegangener Liebe kann schlimmer sein, als das Gefühl ewiger Reue, weil man damals den Schwanz eingezogen hat. Und nun nie wissen wird, was gewesen wäre, wenn.

teilen
teilen
2 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages