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Generation L

09.11.2016 138 Reax
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Geschenkeabstinenz

Buchautorin Linda Solanki.

Wenn es nach gewissen Warenhäusern und Supermarktketten geht, bin ich wohl spät, nach persönlichem Ermessen eher früh dran mit dem Besorgen von Weihnachtsgeschenken. Stress bereitet mir der Einkauf sowieso keinen, da ich dieses Jahr nur eine einzige, nicht mit mir verwandte Person beschenke.

In meiner Familie wurden Präsente nämlich schon lange abgeschafft. Bisher habe ich diese Abmachung ignoriert, da ich fürs Leben gerne schenke. Ob ich im Gegenzug etwas zurückerhalte, ist mir herzlich egal. Einerseits liebe ich Überraschungen, andererseits bin ich beim Auspacken oftmals enttäuscht, da mein Geschmack nicht getroffen wurde.

Als ich sechzehn war, schenkte man mir beispielsweise einen Stapel Bücher. An für sich eine super Sache. Auch die Titel der Bücher, allesamt Serien, sagten mir zu. Oder hatten mir einst zugesagt, etwa acht Jahre zuvor, als ich mich im entsprechenden Alter der Kinderbücher befunden hatte. Als genauso unnütz empfand ich den zwei Meter langen, knallpinken Sitzsack, den ich nach einem halben Jahr Gnadenfrist entsorgte.

Wie man glauben konnte, man mache mir mit einem riesigen Glas voller Gummibären eine Freude, verstehe ich bis heute nicht. Zumal ich die Gelatinetierchen als Vegetarierin gar nicht essen kann. Auch Kosmetik gehört zu den unliebsamen Präsenten. Wer mich kennt, weiss, dass ich ein heikles Näschen besitze und blumigen, fruchtigen oder allgemein süssen Düften nichts abgewinnen kann. Dennoch stehen in meinem Schrank mehrere unbenutzte Parfums. Allesamt Weihnachtsgeschenke.

Es kam aber auch vor, dass mein Geschmack getroffen wurde. Mit einem Gutschein vom Lieblingsrestaurant, Läderach Frischschoggi oder einer Vierliterflasche Vodka. Mein allerliebstes Geschenk bekam ich einst von meiner Mutter, die sonst eher danebengriff mit ihren gutgemeinten Gaben: Eine handgefertigte Wolldecke, die sie über Wochen hinweg nach der Arbeit gestrickt hatte. Weil ich so leicht fror und sie wollte, dass ich es auch im Winter warm hatte. In diesem Geschenk steckt so viel Liebe und Fürsorge, dass nichts Gekauftes mithalten kann. Geht es nicht genau darum an Weihnachten und im Leben überhaupt? Um Liebe und Fürsorge. Und nicht um Konsum. Auch wenn wir das oft vergessen.

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