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Generation L

06.07.2016 92 Reax
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High in Manhattan

Buchautorin Linda Solanki.

Hattet ihr schon einmal einen Sonnenstich? Also einen richtigen. Kein Wischi-Waschi mit ein bisschen Kopfweh, hie und da einem leichten Schwindelanfall. Ich spreche von einer Schlacht mit der Sonne, die euch den Verstand wegbläst. Der euch mitten am Tag und mitten in der Stadt zusammenbrechen, der euch eure eigene Sprache vergessen lässt, euch den Appetit raubt und euch den leeren Magen zweimal noch leerer erbrechen lässt. Unschön, aber genauso passiert.

Trotz Sonnencreme, Hut, Kameldurst und entsprechendem Wasserkonsum bekam mir der erste Hitzetag in New York nicht. Das merkte ich erst abends, als ich mich zum ersten Mal seit Stunden drinnen aufhielt. Mein Kopf brummte, das Sichtfeld verschwamm, ich fühlte mich mieser als mies. Erst vermutete ich eine Migräne, riss mich dennoch zusammen, schliesslich standen Drinks mit Freunden an.

Die Drinks hätte ich mir sparen können und die Freunde auch, denn zu einer Konversation war ich kaum fähig. Der Jetlag, entschuldigten sie achselzuckend mein Benehmen, doch was ich erlebte ging über die übliche Erschöpfung hinaus, die man bei Zeitverschiebung spüren kann. Ich war viel eher benebelt, wie bekifft.

Das dachten vermutlich auch einige Passanten von mir, die mich, Minuten nachdem ich mich von meinen Freunden verabschiedet hatte, mit halbgeöffneten Augen röchelnd auf einer Parkbank liegen sahen. An dieser Stelle merci fürs nicht anhalten und sich nicht erkundigen, ob man vielleicht einen Arzt rufen solle.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass mein Freund sich neben mir befand und vielleicht deshalb niemand es für nötig hielt sich um mich zu kümmern. Seine Anwesenheit bemerkte ich jedoch erst später – obwohl ich ihn seiner Behauptung nach die ganze Zeit vollgeschnattert hatte – nämlich dann, als er mich von der Bank hochhob und heimtrug. Fünfzehn Blocks, zwanzig Minuten. Als Dank kotzte ich das Bad voll. Danach fingen die Fieberschübe an.

Die nächsten paar Tage verbrachte ich drinnen oder im Schatten. Wenn ich nach draussen ging, dann in einen dicken Pulli gehüllt. 30 Grad fühlten sich wie knapp über dem Gefrierpunkt an. Statt fünf Liter trank ich sechseinhalb. Die Sonne mied ich auch dann noch, als es mir längst besserging.

Obwohl in New York bei Marihuanakonsum Gefängnis droht, könnte man bei den aus jeglichen Häusereingängen und Strassenecken strömenden Duftfäden meinen, die ganze Stadt heizt einen an. So auch einer meiner New Yorker Freunde, der meine Rückkehr unbedingt mit einem Joint feiern wollte. Ich liess ihn das Ding alleine rauchen. Unsinn brabbeln und Watte im Kopf? Dafür brauche ich anscheinend nur ein bisschen Sonnenschein.

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