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Generation L

19.04.2016 425 Reax
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Junge Alte

Buchautorin Linda Solanki.

Ich schreibe diese Kolumne, anstatt wie eigentlich geplant im Kino zu sitzen. Dies, weil meine Freundin im letzten Moment abgesagt hat. Mal wieder. Sie ist nicht die einzige, die mich in jüngster Zeit sitzen liess. In den letzten paar Monaten kam es häufiger vor, dass meine Rendezvous platzten, als dass sie stattfanden. Die Gründe waren meist dieselben: Entweder sind meine Freunde zu müde oder krank.

Zu müde? Gab’s früher nicht. Heute hingegen scheint bereits ein Drink am Freitagabend zu anstrengend zu sein. „Muss morgen früh aufstehen“, heisst es, wenn ich, nachdem mir einmal mehr abgesagt wurde, nach einem Ersatz suche. Oder: „Bin schon im Pyjama und mag mich nicht mehr umziehen.“ Und ich verbringe einen weiteren Abend zuhause, gelangweilt und frustriert wegen dem Benehmen meiner Freunde.

Dabei stört mich vor allem die Kurzfristigkeit der Absagen. Natürlich kann einmal ein Notfall vorliegen, etwas Unvorhersehbares dazwischenkommen. Dass man da nicht schon vorher Bescheid sagen konnte, verstehe ich. Aber wenn ich schon halb zur Tür raus bin eine SMS schicken, man liege mit Grippe im Bett und könne mich deshalb unmöglich zur Vernissage begleiten? Nicht sehr cool.

Das hätte man nämlich auch gut am Morgen schon mitteilen können. Dann hätte ich wenigstens andere Pläne schmieden können. So aber, weil die meisten meiner Freunde nicht zu den allerspontansten Menschen zählen, fällt der Abend für mich ins Wasser.

Noch schlimmer finde ich allerdings die grassierende Unlust, etwas zu unternehmen. Zwar werden Termine ausgemacht, doch kaum rücken diese näher, entscheidet der Grossteil, dass man den Abend doch lieber auf der Couch vor dem Fernseher verbringt. Auch am Wochenende.

Ich verstehe ja, dass nicht jedermann feiern mag. Viele fühlen sich für Clubs zu alt. Für manche stellen sogar Bars ein Graus dar. Aber ich bin ja ein vielseitig interessierter Mensch. Meine Vorschläge reichen von Sport über Theater und Kunst bis hin zu Konzerten oder Abendessen und werden auch begeistert angenommen. Nur wenn es dann eben so weit ist, ist die Mehrheit zu faul dafür.

Ich bin nicht etwa mit einer Bande Senioren befreundet. Die Altersspanne meiner Bekannten reicht von zwanzig bis dreissig. Wie man sich in so jungen Jahren schon so – Entschuldigung – langweilig benehmen kann, will mir nicht einleuchten. Auch ich bin manchmal müde. Trotzdem gehe ich raus, entdecke die Stadt und lerne neue Leute kennen. Die Zeit, in der ich kaum mehr Energie haben werde und sich selbst der Gang vor den Fernseher beschwerlich gestaltet, kommt dann schon schnell genug. Darum geniesse ich mein aktives Leben, solange ich noch kann. Ich finde es nur schade, dass ich das allem Anschein nach je länger je mehr alleine tun muss.

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