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Generation L

19.04.2016 57 Reax
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Linus Love und die Syphilis-Epidemie

Buchautorin Linda Solanki.

Was ich unter anderem am Leben in den Staaten vermisse, sind die exzentrischen Figuren, mit denen man in Kontakt tritt – zumindest gilt das für Metropolen wie New York, Los Angeles, Miami und Las Vegas. Dort sieht man schon mal eine Oma im Superheldenkostüm neben einem als Kuh verkleidetem Wirtschaftsstudenten die Strasse runtertanzen. Nicht etwa, weil die beiden eine Wette verloren hätten, sondern, weil sie heute einfach Bock hatten, wie The Hulk beziehungsweise ein Nutztier auszusehen. In Paris hingegen wird mein Freund schon von Fremden mit dem Handy geblitzt, wenn er meinen Pelzmantel trägt. Und von Zürich fange ich gar nicht erst an.

Eine dieser Bekanntschaften, die mir im Gedächtnis hängen geblieben ist, heisst Linus Love*. Kennengelernt hatten wir uns in Los Angeles, am Pool des Gebäudekomplexes, in dem zwei gute Freundinnen von mir wohnten. Ich sass mit einer von ihnen am Rand des Schwimmbeckens und beobachtete die Meute, die sich in und um den Pool tummelte. Neben den üblichen gealterten Hollywoodschönheiten und ein paar Möchtegern-Beachboys pirschte ein in die Jahre gekommener Gigolo durchs Wasser auf der Jagd nach allem, was weiblich war und sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte. Das war Linus Love.

Irgendwann schwaderte er auch zu uns herüber und verwickelte uns in ein Gespräch. Was wir so machten im Leben, wollte er wissen, und als wir mit der Gegenfrage konterten, entgegnete er stolz, er sei von Beruf Pornostar. Quatsch, lachte ich, und verstand selber nicht, warum. Denn was wusste ich schon, wie Pornostars auszusehen hatten.

Doch, doch, entgegnete er sichtlich gekränkt, wir könnten ja seinen Namen googlen, wenn wir ihm nicht glaubten. Wir versprachen ihm, genau das zu tun, woraufhin er schnell hinterherschob, man dürfe aber nicht alles für Bares nehmen, was im Internet so stehe. Neugierig geworden setzten wir uns noch am selben Abend vor den Laptop und tippten seinen Namen ins Suchfeld von Google. Was dann kam, liess uns laut aufkreischen.

Linus Love, fanden wir heraus, war nämlich nicht in erster Linie berühmt für seine Sexfilmchen, sondern dafür, eine der grössten Syphilis-Epidemien innerhalb der Pornoindustrie ausgelöst zu haben. Nachdem wir sämtliche Ansteckungsmethoden rauf und runter gegooglet und sichergestellt hatten, dass die Füsse in potentiell kontaminiertes Chlorwasser zu stecken eindeutig nicht dazuzählte, widmeten wir uns einem der Streifen, auf die Linus Love so stolz war. Was soll ich sagen, wir hatten schon besseres gesehen. Dennoch gratulierten wir ihm anderntags am Pool herzlich zu seiner Manneskraft und der gelungenen Einsetzung seines Beckens. Nur unsere Füsse, die liessen wir diesmal sicherheitshalber im Trockenen.

* Name geändert

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