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Generation L

19.04.2016 648 Reax
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Nur Mut, die Herren!

Buchautorin Linda Solanki.

Meine Freundin erzählte mir, sie sei vor kurzem am Bahnhof angesprochen worden. Noch bevor sie den entscheidenden Satz aussprach, ahnte ich es schon: Ihr Verehrer sprach Englisch, ist gerade erst aus Australien hergezogen. Er hätte geradesogut Deutscher, Peruaner, oder Senegalese sein können. Nur, dass es kein Schweizer gewesen war, der sie am helllichten Tage umworben hatte, umzingelt von dutzenden von wachsamen Pendlerohren, darauf hätte ich all meine Weihnachtsgeschenke verwettet.

Warum? Weil ich in den zweiundzwanzig Jahren, in denen ich in Zürich gelebt hatte, selten auf der Strasse angesprochen wurde. Und wenn, dann waren es neun von zehn Malen Ausländer, die mich anquatschten. Zur Klärung: Ich meine damit weder feige Pfiffe aus dem vorbeifahrenden Auto, noch

respektlose Sprüche, die fast ausschliesslich nur dann erfolgen, wenn der Sprücheklopfer sich in einer Gruppe bewegt. Ich spreche auch nicht davon, in einem Club oder einer Bar angeflirtet zu werden, oder sonst an einem Ort, der für das grossstädtische Balzverhalten konzipiert wurde. Bei Tageslicht an einer belebten Ecke und dazu noch nüchtern jemanden anzusprechen erfordert eine Menge Mut. Immerhin droht im Falle eines Korbes der Gesichtsverlust vor einer Horde Fremder. Das ist zwar weniger peinlich als vor Bekannten, aber immer noch grässlich genug. Nur: Die auf der Strasse Angesprochenen sind meist dermassen perplex, dass die Erfolgsquote deutlich höher liegt als in einer Bar. Auch ich habe schon oft in eine Verabredung eingewilligt, obwohl der Herr nicht unbedingt meinem Typ entsprach. Dass er sich getraut hatte, hatte mir genug imponiert, um ihm dennoch eine Chance zu geben. Meine Freundin trifft ihren Australier nun ebenfalls, obwohl sie ihn nicht einmal süss findet. Die inneren Werte sind bekanntlich eh wichtiger – und da hat er mit Schneid, Selbstvertrauen und Spontanität schon mal gute Karten.

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