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Generation L

31.08.2016 569 Reax
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Offline Flirten

Buchautorin Linda Solanki.

Wann wurdet ihr das letzte Mal angeflirted? Also richtig angesprochen, nicht nur mit einem betrunkenes „Hey, bella“ morgens um fünf im Vorbeigehen an der Langstrasse beworfen? Ich schon lange nicht mehr. Und überhaupt immer seltener.

Man kann den Spiess natürlich auch umdrehen: Wann seid ihr das letzte Mal mit Angstschweiss und cooler Miene auf jemanden zugegangen? Hier kann ich, seit einem Jahr vergeben, nicht mitreden, behaupte aber, klassische Anmachen verkommen in unserem digitalen Zeitalter zur Rarität.

Denn seit Dating-Apps aufgekommen sind, verstummen neckische Bar-Gespräche zunehmend. Auch unter meinen Freunden befinden sich ein paar, die an einer Party als erstes Tinder & Co. abgrasen, um zu sehen, ob sich da draussen noch etwas Besseres herumtreibt. Die ihre Rendezvous nur noch über eine App ausmachen. Und die das Wesen ihrer Träume selbst aus einem halben Meter Entfernung nicht wahrnehmen würden, weil sie permanent am Bildschirm kleben.

Mein diesbezüglich absurdestes Erlebnis hatte ich, als ich mit einer Freundin am Gemeinschaftspool ihres Gebäudekomplexes lag und auf einmal ein blonder Schönling ins Freie trat. Neugierig beäugten er und meine Freundin sich. Doch anstatt dass einer von beiden den ersten Schritt machte, griffen sie simultan nach ihren Smartphones.

Ich bot darum an, das Eis zu brechen, aber meine Freundin winkte ab. Sie wolle erst schauen, ob sie ihn auf Tinder finde. Dann könne man ja matchen und sich später schreiben. Tatsächlich tauchte er in ihren Vorschlägen auf, nur matchte es leider nicht und das ist das Ende dieser unglaublich dummen Geschichte.

Haben wir die Offline-Kommunikation verlernt? Werden unsere Enkel nur noch mit Erzählungen beglückt, wie die Oma damals ausversehen nach rechts gewischt hat? Ich wünsche mir wieder mehr soziale Interaktionen, denn keine Chatnachricht kann ein solches Kribbeln auslösen wie es ein langer, intensiver Blick vermag. Und selbst ein zwar einfallsloses, dafür mit viel Herzklopfen gestottertes „Kommst du oft hierher?“ wirkt sympathischer als das Piepen des Handys.

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