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Generation L

19.04.2016 120 Reax
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Pseudosicherheit

Buchautorin Linda Solanki.

Ich fühle mich ja ausgesprochen sicher in Paris. Die Anschläge, obwohl erst wenige Monate her, habe ich vergessen, vielleicht verdrängt, jedenfalls bewege ich mich im Alltag unbefangen. Nur ab und zu spüre ich, wie tief die Angst in der Bevölkerung sitzt.

Etwa dann, wenn ich hinter einem jungen Mann im Kapuzenpulli den Supermarkt betrete, und dieser vom Ladenhüter angehalten wird, die Kapuze runterzunehmen. Die umstehenden Kunden starren den jungen Mann, dem die Aufmerksamkeit sichtlich peinlich ist, an, als wäre er eben mit einer Kalaschnikow in der Hand reinspaziert. Dabei wollte er, in Jogginghose und Schlappen, vermutlich nur verkatert im Wohlfühloutfit schnell ein paar Chips und Tiefkühlpizza kaufen.

Ein mir bekannter Mitarbeiter eines Luxushotel verriet mir, dass seit den Anschlägen gerade mal zwanzig Prozent der Zimmer besetzt seien. Normalerweise sei das Hotel in dieser Jahreszeit ausgebucht. Man fürchtet nicht nur den Terror, sondern auch die Wirtschaftskrise, die durch die geschwächte Tourismusbranche weiter wachsen wird.

Vor einer Woche besuchte ich eine in Paris stattfindende Dessousmesse. Dass man am Eingang kontrolliert wird, – auf Ausweis, mit Metalldetektor und auf den Inhalt seiner Tasche – hatte ich erwartet. Dass man ohne zu wühlen in meiner randvollen Handtasche nur den zuoberst drapierten Schal sah und somit unmöglich wissen konnte, ob darunter irgendwelche Waffen reingeschmuggelt wurden, schien die Security nicht zu kümmern. Man liess mich passieren – obwohl ich den Metalldetektortest nicht bestanden hatte.

Da ich mein Handy in der Jackentasche trug, piepste das Gerät nämlich. „C’est votre portable?“, fragte der Sicherheitsbeamte nur, und liess mich vorbei, nachdem ich bejaht hatte. Ich musste das Telefon nicht einmal zeigen. Hätte also auch ein Colt sein können. Aber Hauptsache man patrouillierte mit Schäferhunden am Messegelände.

Beim Verlassen dann nochmals dasselbe Spiel. Taschen und Koffer aufmachen, eventuell noch darlegen, was man unter dem Mantel trug. Weil die Terroristen bestimmt alle ihre Bomben aus der Messe transportierten? Verstehe einer diese Farce. Viel zur allgemeinen Sicherheit werden diese Massnahmen jedenfalls nicht beitragen. Aber immerhin bekämpft man mit dem erhöhten Einsatz von Sicherheitspersonal wenn schon nicht den Terrorismus wenigstens erfolgreich die Arbeitslosenzahlen und die Wirtschaftskrise.

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