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Generation L

19.05.2016 172 Reax
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Sicherheit versus Glückseligkeit

Buchautorin Linda Solanki.

Bei der Berufswahl muss man viele grundlegende Entscheidungen treffen, zum Beispiel, ob einem Geld oder Leidenschaft wichtiger ist. Toll, wenn man beides miteinander vereinen kann, also wenn man nichts spannender findet als Börsenvorgänge zu beobachten.

Wenn aber das Herz in erster Linie für Brot schlägt, fängt man vielleicht trotzdem das Wirtschaftsstudium an und tobt sich später halt in der spärlichen Freizeit der Backstube aus. Oder auch nicht. Mit dem Einkommen eines Bäckers kommt man ja ebenfalls gut über die Runden.

Es gibt aber auch Karrierewege, bei denen das gesicherte Einkommen wegfällt. Bei denen man jeden Monat aufs Neue zittern muss, ob’s am Ende reicht, um die Rechnungen zu bezahlen. Meistens sind diese Jobs im kreativen Bereich angesiedelt. Laufbahnen, um die man beneidet wird: Musiker, Schauspieler, Schriftsteller, Blogger, und überhaupt alle selbstständigen Berufe. Oder Model.

Als Model hat man genauso wenig Gewissheit, was die nächste Woche bringt. Ob man beim Casting ausgewählt wird, ob man vielleicht eine grosse Kampagne kriegt, mit der man dann wieder für ein halbes Jahr finanziell ausgesorgt hat. Zudem hat man irgendwann die Altersgrenze erreicht, nach welcher nur die grossen Namen noch Aufträge bekommen.

Und dann? Da die meisten Models spätestens mit 18 Jahren ins Business einsteigen, haben die wenigsten von ihnen studiert. Die Erfahrung von Fotoshootings und Laufsteg lassen sich auch kaum auf andere Metiers übertragen.

Dies diskutierte ich vor kurzem mit einem befreundeten Männermodel. Zwar liebe er seinen Job, die Arbeit vor der Kamera erfülle ihn mit Freude und er fühle sich privilegiert, für Shootings um die Welt reisen zu können. Andererseits fürchte er sich vor der Zukunft, habe das Gefühl im Vergleich zu seinem Umfeld karrieretechnisch alles falsch zu machen. Denn in seinem Bekanntenkreis sind praktisch alle irgendwo festangestellt.

Seine Angst kann ich nachvollziehen. Nicht genau zu wissen, wann der nächste Gehaltscheck reinflattert, verursacht enormen psychischen Stress. Seit ich vor zwei Jahren meine Stelle in Zürich gekündet und als Freelancerin ins Ausland gezogen bin, erlebe ich immer mal wieder kleine persönliche Krisen.

Diese sind aber nichts im Vergleich zum Glücksgefühl, mit dem ich jeden Morgen aufwache, weil ich das tun kann, was ich am meisten liebe, schreiben, und dabei erst noch in den aufregendsten Städten der Welt wohne.

Ich verstehe jeden, der sich für die Sicherheit entscheidet. Denn Sicherheit entspannt. Allerdings wird uns nur ein Leben geschenkt und es nicht maximal auszukosten, ist in meinen Augen eine Verschwendung.

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