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Generation L

12.05.2016 98 Reax
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Tattoos gegen Lebenskrisen

Buchautorin Linda Solanki.

In meinem Umfeld sind einige tätowiert. Eigentlich fast alle. Ich nicht und zwar aus dem simplen Grund, dass es mich trotz Trendwelle nie gereizt hat. Zudem, so bin ich überzeugt, würde mir selbst das prächtigste Sujet spätestens nach zwei Jahren auf den Geist gehen.

Mir erschliesst sich nicht, warum die ganze Welt ein Sternchen auf dem Handgelenk oder ein Herzli am Hüftknochen tragen muss, aber bitteschön, jeder darf freilich selbst über seinen Körper entscheiden und braucht sich keinen Deut um meine Meinung zu scheren.

Dann gibt es ja auch Leute, die über Sternchen und Herzli hinausgehen; deren Haut vielleicht fünf oder sechs Tattoos zieren, oder die am liebsten alles zukleistern wollen, bis jede Pore mit Tinte bedeckt ist.

Kann man auch machen. Allerdings habe ich in meinem Bekanntenkreis vermehrt festgestellt, dass die Tattoos jeweils zu einem Zeitpunkt auftauchten, in dem es nicht rund lief. Zum Todestag eines Geschwisters zum Beispiel. Nachdem die grosse Liebe zerbrach. Bei Jobverlust. Oder auch sonst, wenn man einfach ein bisschen verloren war.

Ein Bekannter erwiderte einmal auf meine Frage, warum er seinen gesamten Oberkörper tätowiert hat und nun bei den Beinen weitermacht: „They say I don’t love myself.“ Ich weiss nicht, wer mit „they“ gemeint war, begriff aber, dass er versucht, sich selber auszulöschen, mit Farbe zu überdecken, bis nichts mehr von seiner Haut zu sehen ist.

Auch meine Freundin ist gerade vom Tattoo-Wahn befallen. Überrascht mich nicht, denn weder Job noch Privatleben stellen sie zurzeit zufrieden. Wenn eine neue Frisur nicht mehr den gewünschten Kick bringt, greift man zu permanenteren Mitteln.

Ich möchte freilich nicht allen Tätowierten unterstellen, sich aus einer persönlichen Krise heraus stechen lassen zu haben. Aber eine gewisse Tendenz zeigt sich dennoch. Ausser bei der Sternchen-Herzli-Fraktion, da war es wohl einfach der Wunsch nach einer Prise Coolness.

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