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Generation L

19.04.2016 152 Reax
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The Nightmare Before Christmas

Buchautorin Linda Solanki.

London, Oxford Street, 14.12.2015, 15:37 Uhr: Ich sitze zitternd auf einem der Polster bei Topshop und strenge mich an, vor lauter Überforderung nicht zu heulen. Der wartende Freund/Ehemann zu meiner Linken wirft mir einen verständnisvollen Blick zu, der zu meiner Rechten reibt sich müde über die Augenlider. Insgesamt sind wir zu acht, mehr passen nicht auf die Möbel im Wartebereich vor den überfüllten Rolltreppen. Man sieht uns allen die Erschöpfung deutlich an.

Die DJane im sexy Weihnachtsoutfit spielt einen David Guetta Remix und ich kann nicht mehr an mich halten. Ich schreie, laut und wütend und verzweifelt. In dem Moment erscheint mein Freund, packt mich am Arm, zieht mich aus dem Laden runter in die Tube, rein in den Zug, der uns wegträgt von diesem von unserer Konsumgesellschaft geschaffenen Albtraum.

London, Five Guys, 14.12.2015, 12:30 Uhr: Ich sitze entspannt beim Lunch mit einer Freundin, die seit mehreren Jahren in London wohnt. Ausnahmsweise hat sie an diesem Montag frei, darum schlage ich vor, dass sie meinen Freund und mich nach dem Essen zum Christmas Shopping begleitet. Sie starrt mich einige Sekunden lang ausdruckslos an, schüttelt vehement den Kopf und sagt: „Nicht einmal, wenn ihr mich dafür bezahlt.“

Ob ich wahnsinnig sei, fragt sie, mich in der Vorweihnachtszeit freiwillig an die Oxford Street zu begeben. Es sei ja Montag, verteidige ich mich, da wird sich der Andrang in Grenzen halten. Ausserdem habe ich es meinem Freund versprochen. Etwas, das ich ob dem mitleidigen Blick meiner Freundin zu bereuen beginne.

Zwischen diesem Moment und meinem Nervenzusammenbruch liegen nur drei Stunden. Was ist währenddessen passiert? Eigentlich nicht viel. Ein paar volle Einkaufstüten, die mir wahlweise in die Knie, an die Hüfte oder auch mal an den Kopf gerammt wurden; Ellbogen, die sich rücksichtslos in meine Rippen bohrten; Fersen auf den Zehen; Schlangen bis in die Kinderabteilung; psychopathische Weihnachtsmusik; schreiende Babys; quengelnde Ehemänner; übertriebene Beheizung in den Geschäften, die den Kontrast zur bitteren Kälte draussen verstärkten. Reizüberflutung aller Sinne.

Eigentlich müsste ich es mittlerweile besser wissen. Im Dezember geht man nicht einkaufen. Punkt. Geschenke kann man genauso gut online bestellen – was ich auch tat, sobald ich mein zuhause in Paris erreichte. Die fehlenden Präsente in den Läden der Champs-Elysée erwerben? Vergiss es. Bis Januar meide ich sämtliche Einkaufsmeilen. Und nächstes Jahr werde ich einfach alles schon im November zusammenhaben.

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