Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

16.06.2016 156 Reax
teilen
teilen
2 shares

Von James Franco verfolgt

Buchautorin Linda Solanki.

Diese Zeilen schreibe ich im Flugzeug nach New York. Es ist meine erste Reise in den Big Apple, seit ich meinem ehemaligen Zuhause vor einem Jahr den Rücken gekehrt habe. Dementsprechend werde ich von Erinnerungen überflutet. Vor allem positiven, aber auch einer nicht so schönen.

Es passierte zu meiner Anfangszeit, als ich noch ziemlich weit oben in Manhattan wohnte, an der Grenze zu Harlem. Damals nervte mich der lange Heimweg von den Nachtclubs, die sich alle Downtown befanden, eine halbe Stunde und dreissig Dollar mit dem Taxi entfernt.

Nicht schneller, dafür preisgünstiger fuhr ich mit der Subway, die im Vierundzwanzigstundenbetrieb läuft. Angst spürte ich bei der nächtlichen Benutzung der Untergrundbahn nie, denn um vier Uhr morgens besetzten vorwiegend müde Schichtarbeiter und vielleicht der ein oder andere knausrige Partygänger die Wagons.

Ich gondelte also wieder einmal in die Upper East Side rauf, stieg bei meiner Station aus und hastete die Stufen hoch. Drei Blocks galt es zu bewältigen, dann war ich daheim. Ich hatte mich nicht geachtet, ob noch jemand ausser mir den Zug verlassen hatte, aber nun hörte ich Schritte hinter mir. Schritte, die immer schneller wurden. Und plötzlich rief eine männliche Stimme nach mir, befahl, ich solle stehen bleiben.

Panisch erhöhte ich mein Tempo, wollte schon anfangen zu rennen, da wurde ich am Arm gepackt. Starr vor Schreck schaute ich direkt ins Gesicht von James Franco. Nicht der echte Schauspieler, wobei der diese nächtliche Begegnung auch nicht unbedingt weniger gruselig gemacht hätte. Aber der Kerl besass eine frappante Ähnlichkeit mit dem Hollywoodstar.

Jedenfalls liess der falsche Franco mich los und gestand, mich bereits in der Subway bemerkt zu haben und extra ein paar Stationen zu früh ausgestiegen zu sein, damit er mich auf einen Drink einladen könne. Völlig perplex schwindelte ich, bereits vergeben zu sein, wünschte ihm eine gute Nacht und lief los. Ich befand mich nur noch einen Block von meiner Wohnung entfernt.

Bevor ich diese jedoch erreicht, rupfte man wieder an meinem Arm. Er wolle trotzdem mehr über mich erfahren, sagte dieser Spinner. Ich log irgendetwas zusammen und rückte dabei unauffällig ein Stück Richtung zuhause vor, dann noch eines und noch eines, bis wir angefangen hatten die Unterhaltung laufend fortzuführen, ohne dass er es überhaupt bemerkt hat. Vor dem Eingang hob ich kurz die Hand zum Gruss und entschwand flugs durch die Schiebetüre, bevor er Gelegenheit fand, seinen alten Arm-Krall-Trick anzuwenden.

Endlich Ruhe? Denkste. Während ich auf den Lift wartete, hörte ich auf einmal die Stimme des Doormans, die fragte, wer ich sei und was ich hier machte. Als ich mich verwundert umdrehte, erkannte ich, dass er nicht mich gefragt hatte, sondern meinen Verfolger, der mir tatsächlich bis ins Gebäude nachgekommen war.

„Keine Sorge“, beschwichtigte er meinen Doorman. „Ich bin ihr Freund.“ Und das während ich direkt danebenstand. Natürlich liess ich ihn auffliegen, woraufhin er vor die Tür gestellt wurde. Obschon die Geschichte letztendlich glimpflich ausgegangen ist, war sie mir eine Lehre. Bei meinem Besuch in Manhattan werde ich jedenfalls aufs Taxi bestehen.

teilen
teilen
2 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages