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Generation L

19.04.2016 96 Reax
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Während wir noch leben

Buchautorin Linda Solanki.

Während wir also noch leben. Am liebsten für immer und für immer so. Am Dienstag um sieben heimkommen, rechtzeitig zum Sonnenaufgang, nur, dass wir längst erblindet sind gegenüber der Natur. Schönheit existiert nur noch mit Filter auf Instagram. Den Mittwoch verbringen wir auf dem elektronischen Massagebett, das sich in unser wundes Fleisch drückt wie die Rückseite eines Kaffeelöffels in zimmerwarme Butter.

Darauf einen trinken, oder zwei. Die Sahne hinterlässt einen weissen Ring auf dem salzbestreuten Tisch. Wir werden herumgewirbelt, ausgequetscht, angelacht, aber weil keine Limettenschnitze mehr folgen, langweilen wir uns bald.

Flucht nach vorne. Schal liegengelassen. Opfer, die gebracht werden müssen. Aber wir haben die falsche Richtung gewählt, nach vorne bringt uns nicht weiter, bringt nur es weiter, das sich nun an uns heftet, sich in unsere Wirbelsäule nagelt, ein kurzer Stich, blendende Schmerzen, dann gehen die Lichter an, geschafft.

Darauf einen trinken, oder zwei. Geht auch ohne Glas, wenn der Rhythmus stimmt. Er spricht an uns vorbei und wir antworten in die entgegengesetzte Richtung, aber spielt das denn eine Rolle, wenn das Ziel ein gemeinsames ist, nein. Er muss gehen, und nimmt seinem Nachfolger das Versprechen ab, uns unversehrt aus dem Sog zu ziehen, später.

Brot zäh wie ein Gummihuhn, Cognac im Teller, auf den Schuhen, im Haar des Kellners, während einer draussen wartet für uns, wenn’s sein muss die ganze Nacht, denn so läuft das nun einmal. Während wir also noch leben.

Der Raum zuckt epileptisch, nur für uns, denn die anderen Kinder sind schon weiter. Wir jedoch wollen ihn erst töten, diesen Raum, erst dann darf uns der nächste empfangen.

Auf dem Klodeckel liegt eine Brille. Vielleicht, damit man das Koks besser sieht. Wir denken an den Schal, kalte Kehle, kalter Schauer. Zukunftsvisionen, in letzter Sekunde verhindert.

Feuchte Wangen mag niemand, und überhaupt läuft alles weiterhin nach vorne, nur wir biegen nach links und entfliehen in die müde leuchtenden Taxis im dämmrigen Morgentau. Tür verriegelt, abgefahren ist er, der Zug. Uns egal, es gibt ein Dasein nach dem Massagebett. Während wir noch leben.

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