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Generation L

19.04.2016 266 Reax
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Zum Date getrickst

Buchautorin Linda Solanki.

Letztes Wochenende schleppte eine Bekannte meines Freundes ihn und mich an eine Home Party. Ich kann mich kaum noch an den Abend erinnern, ausser, dass abgesehen von der Bekannten und mir nur Männer anwesend waren, dass ich mit einigen von ihnen sprach, und dabei auch über einen angefangenen Roman diskutiert wurde.

Anderntags schrieb mir mein Freund, er habe soeben eine Nachricht von einem der Typen auf der Party gekriegt, der mit dem Buch, und er frage nach meiner Nummer. Ob er sie ihm geben soll?

Mein Freund leitete mir die SMS weiter, die der Typ an ihn verfasst hatte, und die von der Länge her eher als elektronischer Brief durchgehen könnte. Darin beteuerte der Typ, was für ein „Geschenk“ es gewesen sei, mich am Wochenende kennengelernt haben zu dürfen, denn er befinde sich mit seinem Romanprojekt kurz vor der Verzweiflung, stecke Mitten im Schreibprozess fest und wisse einfach nicht weiter. Er hoffe deshalb, dass wir uns so bald wie möglich treffen können, um unsere Unterhaltung vom Samstag wiederaufzunehmen.

Ich hatte zwar bei unserem Gespräch nicht mitgekriegt, dass er Schwierigkeiten mit dem Schreiben hatte, aber da ich auch sonst Dank den fünf Vodkas so einiges nicht mitgekriegt hatte, traute ich dem, was ich da las und willigte in eine Verabredung ein. Da ich die nächsten Tage bereits verplant war, schlug ich Dienstag kommende Woche vor. Er willigte ein und ich dachte nicht mehr an ihn. Bis zur nächsten SMS.

Darin schlug er eine Reihe an Lokalitäten vor und sagte, ich solle mir diejenige aussuchen, die mir am meisten zusagt. Na gut, manche Leute sind ja so. Dann fragte er, ob ich nicht schon am Wochenende Zeit hätte. Er sei in der Stadt, man könnte sich sehen.

Ich vermutete, das seine Verzweiflung gross war, und sagte mit schlechtem Gewissen ab, da ich wie schon erwähnt, bereits etwas vor hatte. Am Dienstag dann nahm ich die Métro zum vereinbarten Treffpunkt. Ich freute mich auf die Konversation, schliesslich kenne ich nicht viele, die ebenfalls an einem Roman arbeiten, und ein gemeinsamer Austausch regt nicht selten die Kreativität an.

Doch sobald ich ihn sah, wandte sich meine Freude in Wut. Der Typ stand tatsächlich mit einer roten Rose in der Hand vor dem Eingang und sagte: „Ich hoffe, du hast noch nicht gegessen. Ich möchte dich gerne zum Dinner einladen.“

Was denn mit dem Buch sei, fragte ich etwas perplex. Ach, winkte er ab. Darüber könne man danach sprechen, vielleicht bei einem schönen Glas Wein. Mir platzte der Kragen. Dieser widerliche Wurm hatte nicht nur die Frechheit besessen, mich anzulügen und meine Zeit zu verschwenden, er hatte auch noch meinen Freund nach meiner Nummer gefragt, wusste also nur zu gut, dass ich vergeben war, scherte sich aber keinen Deut darum.

Darum schlug ich ihm seine dämliche Rose um die Ohren und fuhr enttäuscht heim. Die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht – ausser dass manche Leute wohl gerade auf dem Klo sassen, als den Menschen Respekt und Anstand verteilt wurde.

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