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Generation L

19.04.2016 292 Reax
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Zweiundzwanzigjährige Viagrakonsumenten

Buchautorin Linda Solanki.

Neulich gestand mein Kumpel, vor dem Sex ab und zu Viagra zu schlucken. Besagter Kumpel geht nicht etwa aufs Rentenalter zu, macht auch keine Midlifecrisis durch, sondern ist ganze drei Jahren jünger als ich, also zarte zweiundzwanzig, und hätte laut eigener Aussage keine pharmazeutische Hilfe nötig.

Und warum nimmt er die blaue Pille dann? Sicher sei halt sicher. Oder anders gesagt: Der Druck, stets hervorragend zu performen, sei zu hoch, um auf die Geheimwaffe zu verzichten. Wenn er zum Beispiel getrunken habe, könne er sich nicht zu hundert Prozent auf seinen kleinen Freund verlassen. Und wenn er es schafft, nach dem Ausgang Eine mitheim zu nehmen, will er eben nicht riskieren, im richtigen Moment schlappzumachen.

Zudem sei er dank Viagra einfach härter, könne länger. Ob er das seinen Gespielinnen sagt? „Auf keinen Fall. Die sollen denken, ich sei von Natur aus so.“ Im Übrigen greifen in seinem Freundeskreis gut die Hälfte aller Jungs ab und an zu Viagra. Zumindest gebe es gut die Hälfte zu.

Das überraschte mich. So dachte ich bisher, die meisten Männer in meinem Alter seien zu stolz für die Benutzung von Viagra. Ich erinnere mich an einen Ex, der eine Weile lang und beruflichem und persönlichen Stress stand und in der Folge unter Erektionsschwierigkeiten litt. Ihn belastete das weitaus mehr als mich, da ich fest damit rechnete, dass sich das Problem verflüchtigen würde, sobald seine Psyche etwas entspannter war.

Leider reagierte ich nicht besonders sensibel und schlug scherzhaft vor, mal beim Arzt nach einem Rezept für Viagra nachzufragen. Mein Witz brachte ihn fast zum Weinen. Und nun wollte mir mein Kumpel weismachen, das Potenzmittel sei unter Gleichaltrigen zur Trenddroge avanciert?

Ich wollte wissen, was an seiner Behauptung dran sei, und fragte bei meinen Bekannten rum. Knapp ein Viertel der Befragten gestanden, Viagra bereits einmal ausprobiert zu haben. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass nicht alle ehrlich waren mir gegenüber. Schliesslich bin ich eine Frau und da liegt die Hemmschwelle eventuell etwas höher, um so etwas zuzugeben.

Einer von ihnen war jedoch gar nicht scheu dabei, mir seine Erfahrungen mitzuteilen. Er benutze Viagra jedes Mal dann, wenn er mit Einer in die Kiste steigt, zu der er sich nicht wirklich hingezogen fühlt, weil sie beispielsweise zwanzig Jahre älter als er ist oder stark übergewichtig. Dies tue er, um sich einen neuen Kick zu beschaffen, denn ständig dasselbe (oder dieselbe), das sei doch langweilig.

Was ich hingegen langweilig finde, ist die Einstellung, die manche meiner Altersgenossen zu Sex haben. Geht’s jetzt nur noch darum, jederzeit und am besten stundenlang einen hochzukriegen? Mit Leuten zu schlafen, die man nicht einmal attraktiv findet, nur, um etwas Neues erlebt zu haben? Wenn Zweiundzwanzigjährige mit perfekt funktionierenden Schwänzen auf einmal Viagra konsumieren, dann, meine Lieben, haben wir die Essenz von Sex missverstanden.

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