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Gimmas Welt

19.04.2016 47 Reax
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Ampel-Liebschaften

Rapper Gimma.

Der Mensch, seiner ihn stets mit Freude erfüllenden Routine vor sich hin trabend wie ein alter - notabene nordkoreanisch-glücklicher - Mastgaul. Ehrlich, für mich ist Routine nicht nur süsser, klebriger Alltagsschmier, nein, auch ein bitzli überlebensnotwendig. Warum? Es ist ganz simpel: wenn ich nicht in einer täglichen Routine zu tun habe, falle ich blitzartig in destruktive Verhaltensmuster, hervorgekitzelt durch Langeweile.

Der Alltag ist also nicht nur Freude an sich, wiederkehrende. Auch Not. Alltag ist aber gespickt mit kleinen Schmankerln, wie der Braten mit Knoblauch. Zum Beispiel: ich treffe in etwa jeden zweiten Tag eine Dame, die offensichtlich in einer Pizzeria arbeitet, an der ich zu meiner Stammkneipe vorbeilaufe. Sie grüsst mich mit Namen. Mit Namen. Ich habe keine Ahnung wie sie heisst, aber ich werde es herausfinden.

Benutzen Sie ÖV? Sie wissen schon, diese überpünktlichen Schweizer Verkehrsbahnen, wo die Schulkinder Amok gehen und alte Leute freundlich lieber einen anderen Platz als neben diesem tättowierten Halodri wollen? Da! Auf jeden Fall, wenn man regelmässig dieselbe Strecke fährt, schliesst man zwangsläufig Bekanntschaft. Ich quatsche an der Haldensteiner Station «Dorf» regelmässig mit Leuten, von denen ich meist nur Vor- oder Nachnamen weiss. Das hat wenig mit Anstand zu tun, eher damit, dass ich das an sich schon aussergewöhnlich finde, als erklärter Feind des Small-Talk. Einige junge Leute auf dieser Linie habe ich jetzt sogar über ihre gesamte Oberstufwen-Schulzeit beobachten dürfen. Auch toll. Linie 3, die Rote. «ic libe SIE» wie es ein junger Pöt (Vorstufe zum Poet) dort trefflich ausformuliert hat, auf die Rückseite eines Sitzes, mit rotem Filzer.

Wenn Sie in ihrem Quartier oft zu Fuss sind, achten Sie doch auf Gesichter, die Sie grüssen, aber nicht kennen. Dürften einige sein. Autos, an Quartierampeln, zahlreich. Kennen Sie die Leute in Ihrem Haus überhaupt?

Wir haben einen Jungen, auf der Linie 3, etwa 7jährig. Sitzt immer vorne beim Chauffeur, kennt alle mit Namen. Er grüsst den halben Bus mit High-Fives und jeder, der um ihn herum ist, verabschiedet sich auch von ihm. Er ist der Inbegriff einer Ampel-Freundschaft. Und ich könnte schwören, der wird Politiker.

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