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Gimmas Welt

10.06.2016 32 Reax
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Auf ins Fussballfest!

Rapper Gimma.

Nein, es ist überhaupt nicht mehr dasselbe, wenn dieses Jahr wieder zu einer Europameisterschaft angepfiffen wird. Nein, nicht weil Fussballer ab und an zu Primadonnen mutieren oder ihnen Pfeffer fehlt, sie dafür Pepe haben. Und auch nicht wegen Schwalben, Zupfern oder Schiedsrichterblindheiten. Nein, nicht einmal der gottlose Machtkatalysator FIFA hat mich wirklich in Unlaune gestürzt.

Diese EM steht unter einem komischen Stern. So gerne mich die Resultate aus den Vorbereitungsspielen interessiert hätten, sie sind an mir vorbeigezogen wie laue Luft. Die Resultate und Rangierungen aus den Qualifikationen habe ich längst verdrängt. Wenn ein Spieler sich öffentlich selber betrauert, weil er nicht teilnimmt, muss ich zuerst googeln, warum. Und selbst dann finde ich es nicht zwingend heraus. Es kann durchaus vorkommen, dass ich lediglich durch ein paar Sport-Seiten klicke und am Schluss mehr über Kunstturnen erfahren habe, als über die grossen Dramen der Randgruppenkönige des Fussballs. Serbien? Schweden? Komisch.

Was wirklich ist? Nun. Ich muss zuerst erklären, dass der Grund, weshalb ich mich nicht wirklich vorfreuen kann, keiner ist, den ich so erwartet habe oder der mich schon länger beschäftigt. Er war plötzlich da und wollte nicht mehr von dannen ziehen. Er blieb.

Was ich mit Sport nicht in Zusammenhang bringen will? Terrorismus  und Politik. Aber wenn ich jetzt durch die Zeitungen blättere, kommt das Thema unweigerlich zu Präsenz. Logisch, absolut logisch sogar. Und während ich erfahre, wieviele Armeen gleichzeitig die Sportstätten, Akteure und Besucher bewachen, lese ich von Versicherungen, Politikern, Wutbürgern und unentspannten Hauptsponsoren. Ja, wenn Passanten befragt werden in den Spielorten, tönt es eher bewusst abgelöscht als unter dem früheren Feuer des Wettkampfes formuliert.

Nun, Olympia geht mir schon lange gewaltig auf den Zeiger. Diese landschaftsbetonierende «Veranstaltung» irgendwelcher Konzerne beim Analverkehr mit dubiosen Altherren-Financiers unter dem Deckmantel der Völkerverständigung ist inzwischen so weit vom Amateurwettkampf der früheren Jahre entfernt wie die diesjährige EM von einem fröhlichen Fest für unbescholtene Fussballfans.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber das hat mit Sport nur noch sekundär zu tun. Wenn Armee und Polizei Doppelschichten schieben während die Medienzunft neuerdings auch Kriegsreporter vor Ort unterbringt zur «Hintergrundrecherche für alle Fälle», nun, da vergeht mir schlichtweg die Lust am Fachsimpeln über Gruppe A.

Mir persönlich blutet das Herz schon ziemlich deswegen. Es hätte in Zukunft weiterhin eine Möglichkeit zur Begegnung zwischen Fremden selben Schlags sein können. Ach komm, wer schonmal polnische und englische Hools Arm in Arm «We are the champions» singen sah blutverschmiert, der weiss was Liebe im Fussball bedeutet. Aber eben, die Angst vor fremden Hools ist nicht dasselbe wie Maschinengewehre vor der 2 Kilometer Sicherheitsschranke. Und eine durchgefeierte Nacht mit ein paar diebischen Jungs in Marseille nach einem Public Viewing war definitiv lustiger, als man noch nicht «gewisse Quartiere» entweder als Katholik oder als Muslim meiden musste. Es ist nicht mehr dasselbe. Und komischerweise ist nicht einmal die FIFA schuld. Wobei, verhindert hat sie auch nichts, obwohl sie die Chancen zigfach gehabt hätte. Es ist nicht mehr dasselbe. Aber ich freue mich auf ein paar hoffentlich gute Spiele und ein paar lustige Abende am Public Viewing und in den Churer Bars. Ich werde kein Trikot tragen, auch wenn ich natürlich für die Schweiz juble, im Herzen. Vielleicht. Aber vermutlich mehr der tollen Spieler wegen.

Ich hoffe nur inständig, dass es für die Kids heute dasselbe geile Gefühl ist, wie für uns damals 90, 94. Oh wie ich es geliebt habe! Oh wie ich es vermisse!

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