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Gimmas Welt

08.07.2016 51 Reax
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Bekifft den Wal betrauern

Rapper Gimma.

In Island war meistens wenig los. Ich musste ja nichts ausser nicht trinken. Das war quasi meine Freizeitmotivation: möglichst nicht allzu viel unter Leute gehen, Massen meiden und der abendliche Gang ins städtische Hallenbad.

Wenn du dich in Island heimisch machen willst, musst du wohl gewisse Dinge akzeptieren. Mink-Wal und fermentierter Hai sollten mindestens einmal eine Rolle spielen. Wenigstens einmal. Wenn du zu Schaf oder noch besser Lamm eingeladen wirst: geh hin. Ist ja kaum zu viel erwartet im Gegenzug für die befremdliche Motivation, dieses Land als Gast zu bwohnen für ein paar Monate.

Sie können erstaunlich schlecht Pasta kochen. Die Teigwaren kriegen sie knapp hin, aber Sauce aus dem Glas geht nun einmal nicht. Aber von Basilikum und Rindfleisch trennen dich 30 Minuten Busfahrt.

Die WG Gspänli mögen diese Pasta und das Gegiggle heute kennt kein Mass. Wüsste ich es nicht besser, würde ich glauben, die haben heimlich gekifft, die 2. Aber wir sind in Island, wie sollten sie auch?

Ja, meine Pasta Bolo ist tatsächlich grandios. Aber ich bemerke etwas an der Sauce, das da nicht hinein hätte sollen, als Reisebegleiter der frischen isländischen Tomaten aus dem Treibhaus. Mir fallen ihre neuen Nikes auf. So fresh and so... unclean. Da ist Gras in meiner Tomatensauce! Die haben Weed reingeschmissen!!!

Nicht schlecht gestaunt über den Packen mit dem isländischen Indoor. Der Export gestalte sich tragisch schwierig, denn sie glauben, das Vulcano-Kush wäre der Renner in Amsterdam und den USA. Also glaubt Birki - der Bauer, der das Zeug mehr oder weniger legal zieht, so halb heimlich. Und irgendwie scheinen das alle zu wissen. Jaja, ein paar Jungs ziehen auch privat und verticken einmal alle paar Monate die Überschüsse unter der Hand. Aber das hier sind 100 Gramm Beutel.

A propos Beutel: Beuteltiere. Ich bin platt wie Australien. Mir fährt die Sauce ein beim Brennivin zum Digestif. Diese wohlige Wärme hinter der Schädeldecke. ich muss niesen, richtig heftig. Und gekichert wird jetzt auch. Wo ist mein Ipod, ich muss ans Meer!

Es regnet. Sowieso die halbe Zeit. Das hier ist nicht Malibu. Es ist schöner. der Hafen mit den besten Burgern der Welt und einem Konzertsaal, von Björk mitfinanziert. Hier ist der Himmel eher grün. Grüngrau. Wie die Augen der jungen Frauen, die mich seit bald einem halben Jahr leidenschaftlich friendzonen. Einen Kaffee, ich grinse Richtung Hafen, hier im ersten Stock vom Hotel. Was sind das alles für Schiffe? Frachter, logisch. Zwischenstop und seltener Ablade. Ich wäre gerne Matrose geworden. Aber das geht in den Alpen so schlecht.

Ich frage eine attraktive Frau im Service, was diese mittelgrossen Schiffe da sein sollen, mit dem riesigen Kran im hinteren Teil. «Walfischfang». Natürlich sind ihre Augen grau wie das Wetter. Und kalt. Aber sie kichert auch. «Have you tried whale?». Ob ich Wal probiert habe. Ja, habe ich, jawoll. «Wir haben dann jeweils Wal-Sushi». Wow, das ist eine ziemlich epische Information. Hier gibt es Wal-Sushi. Das schreibe ich meinem Kollegen in Zürich auf sein Handy. Er will mich nicht besuchen, er findet Island Kacke. Er liebt Eishockey. Er wählt Mitte-Rechts. Er baut Häuser. Ich bleibe hier.

Jetzt denke ich an den Wal und bin traurig. Stehe am Pier und höre bewusst Möwen. Komisch, die bei miesem Wetter zu hören. Die letzten hörte ich im Hafen vonb Eivissa. Höhö. Da war ich nicht stoned. Da war ich nackt und rannte der Hafenstrasse entlang bis mich Gil in die Villa bringen liess. Irre Tage.

Möwen. Komische, lustige Flugviecher. In den Filmen sind sie immer lustig. Wir haben keinen Fernseher. dafür werden wir relativ blitzartig mit Produktionen aus Hollywood beliefert im «Originalsprache-Only» Kino hier. LAX nach Kevlavik einfach. Klein Hollywood. Schneller als London, mindestens einen halben Tag meistens bei Premieren. Die Morgenvorstellungen am Wochenende sind bei den Jungen beliebt wie Fussballhallen.

«Wal-Sushi? Was kunnd jetz? Schildi-Suppa?? ;)». Kollege Essig hat meine Euphorie gebodigt. Schaue dem Walfischfangschiff nach, es tuckert links weg, weg von der Stadt, dorthin, wo man nicht nachschauen kann. Wo es heimlich wird. Ich gehe ins Kino. Ich habe «Free Willy» gehasst, ich fand Seaworld Scheisse aber was zum Teufel sollte ich gegen Walfang hier auf dieser Insel sagen? Das war schon immer so und uns verbietet ja auch keiner das Wild zu regulieren. Irgendwie freue ich mich auf das Sushi, auch wenn ich den Wal melancholisch betraure. Die machen ja auch so grauslige Geräusche, dieser Gesang. Diese Pfeiff-Hupen, dieses analoge Gequitsche. Ich gehöre in den Hot-Pot. Aber zuerst noch ein Bier im Kino. Auf den Wal!

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