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Gimmas Welt

24.06.2016 160 Reax
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Blut spritzen

Rapper Gimma.

Es war Sommer, uns war langweilig.

Tinos Eltern waren verreist für eine Woche und wir hatten deshalb bei ihm unsere Zelte aufgeschlagen. Wir lebten quasi in seinem Wohnzimmer, hatten den Nintendo installiert, Snacks für Jahre überall im Haus verteilt und pennten dort, wo wir einschliefen.

Am ersten Morgen begannen wir umgehend, die Spielkonsole auszureizen. Bis zum Mittag verging uns die Laune. Das halbe Dutzend Spiele war zwar grossartig, aber was haben denn die Besten schon zu teilen, wenn kein Publikum zusieht. Irgendwann war die Hackordnung klar und während der schlechteste von Dreien langsam aus Verzweiflung zum Aufbruch mahnte, stieg irgendwann auch der überragende Erste in den Kanon ein und ich zog schlussendlich auch mit. Musste ja.

Wir zogen durchs Dorf auf der Suche nach nichts speziellem, interessant war, was interessant gemacht wurde. Aber viel war es auch nicht. Hier eine Baustelle, da ein Schrebergarten. Es war Tag und unter der Woche. Es war zum scheissen.

Die Müllhalde verhiess immer wieder Spannung. Ja, so eine Deponie war immer toll. Wir hatten dort schon funktionierende Fahrräder ausgegraben, waren vom Gestank aus einer Grube beinahe ohmächtig geworden und der Legende nach hatten ältere Jungs schon mehrfach Porno-Magazine gefunden und die mussten ja irgendwo herkommen, wo noch mehr war. Diese Suche blieb aber die ewige.

In der orangen Mulde lagen die Elektrogeräte aus Metall. Da konnte man nicht einfach reinspringen, sonst endete man aufgespiesst und zerschnitten beim Dorfarzt. Aber es hatte einen Aufstieg und man konnte von dort prima einsehen, was es spannendes gab und manchmal auch einen Schatz bergen. Der Rest der Materialien waren mehr oder weniger offen einsehbar im Areal verteilt. Die Steine und Pflanzen leerte man einfach Richtung Rhein den Hang hinunter. Aludosen hatten eine separate Kleinmulde. Brennbares wurde auf den Scheiterhaufen gelegt, der einmal pro Woche ein Raub des Feuers wurde. Dort warfen wir gerne Dosen hinein, Haarspray oder Farbe. Die Dinger explodierten meistens grossartig.

Aber eben, die wahren Schätze grub man in der Mulde, dort landete das Zeug, das in der Verbrennung zuerst noch sortiert oder getrennt werden musste. Spezialabfälle nannte sich das.

Wir sahen zuerst nur die Schläuche. Die Nadelspitzen waren zu fein um sie von blossem Augen zu erkennen. Und da hier alles voller Öl und Schmierfett war, dachten wir zuerst, das Blut sei abgestandenes Öl. Wir zogen an den Schläuchen und irgendwann lösten sich grössere Plastikteile im Chaos der Objekte unter uns, das kaum zu entwirren war. Mit einem Ruck kamen blutige Beutel aus dem Wirrwarr geschossen und wir fielen von der Kraft des eigenen Haurucks, die knapp 2 Meter nach unten und die Spitalabfälle hinter uns auf den harten Erdboden. Zig Meter Schläuche, Blutbeutel, Injektionsnadeln noch angehängt. Wir glaubten unseren Augen kaum. Hier hatte ein Krankenhaus oder eine Praxis ihren Müll entsorgt. Das war neu.

Wir waren Primarschüler, unser Horizont reichte knapp bis zur nächsten Stunde und gehandelt wurde meistens impulsiv und nicht rational.

Danis Mutter hatte einen mittelgradigen Schreikrampf als wir reimütig und voller Blut auf der Matte standen. Wir hatten uns die Blutbeutel angeworfen, Blut in herumliegenden Spritzen aufgezogen und als Mutprobe gegenseitig ins Gesicht gespritzt. Mit offenen Augen. Es schmeckte süsslich, aber würgen mussten wir dennoch vor Ekel. Wirklich putzen konnten wir uns nicht, also beschlossen wir, zu Dani zu gehen, der am nächsten wohnte. Wir ahnten, dass die Idee wahrscheinlich kaum Freunde in unseren Müttern finden würde, aber wirklich besorgt waren wir auch nicht.

2 Stunden später sassen wir beim Blut-Test und die Polizei befragte uns. Unsere Ferien waren um. Scheinbar gab es da so einen Virus. dabei hatten unsere Eltern immer gepredigt, in den Computern hätte es Viren. Wir begriffen es nicht mehr. Aber offenbar hatten wir etwas saudummes angestellt. Ich erinnere mich aber nicht daran, dass irgend ein Krankenhaus dafür gerade gestanden wäre, damals. Schuld waren wir, sonst niemand.

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