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Gimmas Welt

19.04.2016 210 Reax
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«Da lernst du sparen»

Rapper Gimma.

Manchmal gab es zu Hause ein Stück Brot mit Ei und Senf. Oder gleich doppelt pro Tag die Büchsen-Ravioli von Hero, Familienpackung. Oder kein Ei. Es gab viel Kafi komplett, weil es schlichtweg nichts anderes hatte als etwas ranzigen Aufschnitt, bröckligen Käse und altes Brot. Kennen Sie den eigentümlichen Geruch und Geschmack einer abgestandenen Salami? Das war wirklich ok so. Ich muss es mir manchmal wieder vor Augen führen, wie es damals war, jetzt wo es wieder ähnlich zu werden beginnt.

Der Unterschied ist klar: als Kind bist du von deinen Erziehungsberechtigten abhängig und von deren Möglichkeiten. Als Erwachsener bist du einfach simpel selber verantwortlich für deinen Scheiss, wenn nicht noch obendrein für den Scheiss von anderen.

Das bin ich nicht auch noch, und ich gab mir jetzt auch 3-4 Jahre grösste Mühe, auf keinen Fall in die Situation zu geraten, Verantwortung tragen zu müssen.

Ein Asylant bekommt vom Staat pro Tag irgendwas zwischen 10 und 15 Franken. Das ist sehr wenig, aber genug. Warum ich das sage? Weil ich auch mit einem Tagebudget zwischen 15 und 20 Franken haushalten musste, als es eng wurde rund um einige Projekte, die ich über alles im Leben beenden wollte. Und das hiess verzichten. Man lernt sparen, man kauft anders ein und man bewegt sich anders fort. Wenn man eine Woche mit einer grünen 50er Note haushaltet, lernt man mehr über sich, als einem lieb ist. Und man ist danach etwas stolz, und auch verängstigt. Man gewöhnt sich schlecht an solch prekäre Zustände. Aber man gewöhnt sich.

Ich erinnere mich an einen lauen Sommerabend auf Ibiza, als wir schon gut in Festlaune zu Dreien beim Restaurant unseres Vertrauens aufschlugen und nach einem veritablen Ritt durch die Speise- und Weinkarte ein Loch von über 1000 Euro in die Reisespesen rissen. Ich beglich diese Summe in bar und weintrunken lächelnd, zufrieden und herrlich stolz, die Jungs einladen zu können. Wenn ich mir diese Situation Heute wieder vor Augen führe, wenn ich mit den Eritreern in den Stadtbus zur Arbeit steige, der 2.20 oder 2.80 pro Fahrt kostet, dann bereue ich zwar nichts, aber ich empfinde fragende Distanz zu mir selbst.

Ich bin kein Sparer. Aber ich bin realistisch, was mein Budget betrifft. Und wenn ich Opfer meiner eigenen Projektwut wurde, dann nur meiner selbst wegen. Da war nicht das Schicksal schuld und auch nicht jemand sonst. Ich alleine trage Verantwortung für diese Umstände ich ich alleine muss lernen damit umzugehen. Trotzdem weiss ich deswegen auch, was genug ist. Und das oben erwähnte ist genug. Was allerdings fehlt, sind Chancen. Es mangelt nicht an Mitteln, es mangelt an Türen, die man für sich öffnen kann. Bist du erst in gewissen Mühlen gelandet, ist der Ausstieg schwer. Und das wiegst du mit 50 Franken pro Woche kaum auf. Man sagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber das stimmt so nicht ganz, denn nach der Hoffnung stirbt die Chance.

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