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Gimmas Welt

19.04.2016 80 Reax
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Der letzte Adele Album-Käufer

Rapper Gimma.

Simon, ihm fällt vieles schwer. Er wehrt sich dagegen ein Hipster zu sein. Sein Outfit quält ihn, er weiss, dass irgendwo irgendwelche Leute genau so herumlaufen... er entsagt den gängigen Trends mit ungängigen Trends. Somit wohl doch irgendwie gängigen Trends, aus Sicht von Hipstern. Whatever. Auf jeden Fall ist ein Teil des Alpha­-Hipster Verhaltens natürlich der spezielle Musikgeschmack, das korrekt auszuleben. Ja, natürlich alles auf Platte, das ist «perse» (hihihi) schon ein relativ sicherer Richtwert. Scheisse schafft es selten auf Vinyl. Das galt schon damals, als man das finanziell abwiegen konnte. Ob er sich jetzt die neusten Psy­-Speedcore 12« aus einer illegalen deutschen Manufaktur für 40 Euro kredenzt oder aber »stinknormal« die Best­-Of von Davis, die blaue Version. Jaja. Da geht alles irgendwie durch. Auch berühmte Bands (vor allem Retro­) können durchaus ein Trumpf sein im Gespräch mit anderen Sehkorrektur­tragenden ohne­ Sehschwäche­-Typen mit Bart. Im Club. Zu Deep­-House. In Metallica und Scorpions­-Shirt, jeweils. Mit einem Mate in der Hand, auf Koks. Voll Bio. Und dann gleich danach das Gespräch weshalb vegan. Simon, also, er befand sich kürzlich in einer Zwickmühle. Adele »25« erscheint auf Doppel­-Vinyl mitausklappbarem Cover. Es würde ziemlich sicher ein Konsens­-Album ­ eines dass definitiv lange in vielen Ländern auf der 1 der Hitparade sitzen würde, Millionen verkaufen, totaler Mainstream und easy to hate. Es ist immer einfach, den Massengeschmack zu dissen. Und genau da sass jetzt Simon sein Problem: wenn es so angreifbar ist, dass es ohnehin von allen Hipstern angegriffen wird, ist es unter Hipstern wahrscheinlich schon wieder sehr cool, die Platte ­ ja die Schallplatte ­zu besitzen. Das war doch bei Noel Gallagher ganz ähnlich. Also bestellt er ­ England Import natürlich ­diese Platte. Der schiere Besitz dieses Schmuckstücks macht ihn schon ganz aufgeregt, er ist noch unsicher, ob er Fotos posten soll. Insta oder sonstwo, irgendein Firmen-Chat... oder noch subtiler auf die passende Diskussion im Kollegenkreis warten und dann zuschlagen wie ein hungriger Habicht? Nein, er geht den unbequemen Weg. Er will die Platten eben doch nicht nur besitzen, er geht jetzt die volle Meile: er hört sie sich an. »Hellouuuuu....« es kribbelt. 49 Minuten später, mit dem Ausklingen von »Sweetest Devotion« ist er einiges an Selbsterkenntnis reicher. Adele kann sehr viele Reime auf »You« und »Me«. Adele beleuchtet Liebe und Freundschaft aus allen möglichen Ecken. Sie würde sehr gerne viele Sachen von früher klären. Sie gibt gern jemandem Schuld auf den Songs. Viele Dinge sind absolut aber total inkonsequent: »never« und »ever». Also alles so massentauglich wie erwartet. Aber die Songs sind gut, sehr sehr gut. Das hebt seine Hipster­-Einstellung zu diesem Werk natürlich auf eine neue Bewusstseins­-Ebene. Simon ist stolz. Diese Platte könnte das individuellste sein, das er besitzt. Und das im Kreise der Ultra­Individualisten. Volltreffer, danke Adele!

PS: Simon habe ich erfunden, weil ich mich nicht traue hinzustehen und zuzugeben, dass ich das Album gekauft und für sehr gut befunden habe. Tja.

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