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Gimmas Welt

19.04.2016 110 Reax
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Der Moment, an dem ich beschloss dieses Leben zu dulden

Rapper Gimma.

Die Vögel zwitschern zu laut, wie jeden Sonntag, vor allem wenn der Platzregen nachlässt, sie die Dachbalken wieder übervölkern wie ein Mittelmeer-Boot, während die betonierte Strasse vor sich hin dampft, der Himmel hinten hellgelb ist, hier noch knapp grau. Wie ein post-apokalyptischer Traum.

Abstimmungsresultate im TV. Diskussionen über Diskussionen, bekannte Gesichter werfen mit altbacken anmutenden Weisheiten um sich wie ein Tontauben-Katapult und die einzige Spannung entsteht wegen falschen Prognosen. Die Realität lässt sich relativ klar vorhersagen. Sagten zumindest schon meine Lehrer: «Wenn du nur nicht so faul wärst!». Aber ich war und blieb faul. Scheint mir.

Auf dem Tisch brennen 2 Kerzen im Teller, es liegen ein paar DVD-Hüllen verstreut, Komödien, das Buch hier in meiner Hand behandelt das Thema Reisen anhand von Destinationen, die man besser auslässt. Es behandlet also quasi die Länder, die ich sah. Das halbe Guiness im Calanda Glas sieht deplaziert aus. Die Fernbedienungen langweilen sich vermutlich genauso gegenseitig wie ich mich mit diesem Selbstgespräch.

Keine Pflanze säumt meine Simse. Ein einziger lottriger Basilikum, den ich seit 2 Jahren durchfüttere und der inzwischen absurd hoch und ertraglos ist, trocknet vor sich hin. Erst fiel er aus dem Topf, dann aus dem Innentopf und schliesslich habe ich ihn in einem Tupperware vegetieren lassen, seltener gegossen. Und jetzt stirbt der mir weg, so wie's aussieht. Die Töpfe habe ich behalten, für einen neuen Basilikum, den ich nie gekauft habe.

Die Scheiben sind dreckig. Draussen kleben die reglosen Tropfen, drinnen zeigen sich Schmierstreifen, langsam je wärmer es wieder wird, tote Fliegen. Und es bildet sich Kondenswasser, zwischen den lottrigen Glasflächen, geviertelten jeweils, in der maroden Holzfassung, die - wie ich auch - faul zu sein scheint.

Die Sorgen, die man sich ständig macht. Vielleicht klappt es mit den Wunschpartnern nicht oder das Konto ist tragisch abwärts ausgerichtet. Die Wohnsituation könnte stressig sein und ja, durchaus, Krankheiten tauchen auf, wenn man sie zuletzt erwartet. Die Familie ist immer etwas instabiles, so wie ich es kenne. Und ja, auch Leute aus dem Umfeld können Sorge bereiten. Aktienkurse, das Gewicht, der neue Job-Vertrag, die Zugverbindungen, Phobien, Zukunftsängste oder Verlustschmerz: alles drückt irgendwo, vielleicht auch im ausgelaufenen Sportschuh, den man langsam durch ein neueres Modell ersetzt wissen müsste. Müsste, nicht kann, kein Geld. Man sorgt sich.

Das Leben, es ist kein Ponyhof und irgendwo in einem Paralleluniversum bestätigt ein Pony: es ist auch kein Menschenhof. So oft habe ich gehadert mit meinem Lebensstart, den vergebenen Chancen. Ehrlich, ich wollte nie ein verbitterter alter Typ werden, der allen böse Absichten unterstellt, Verschwörungen gegen sich wittert und sich totgelebt glaubt und das an noch schwächeren ausspricht.

An diesem Tag habe ich beschlossen, dass es so wie es ist, sein muss. Sein soll, sein wird. Ist. Es nützt mir nichts mehr, zu hadern und die Arme zu verwerfen wie eine neue Fassung eines Schauspiels. Nein, es ist wie es ist.

Ich glaube, grosse Entscheidungen fallen oft in ruhigen Momenten.

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