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Gimmas Welt

11.10.2016 25 Reax
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Die verfluchte Kirche

Rapper Gimma.

Eine der weniger glamourösen Angelegenheiten bei der Planung von Dreharbeiten ist das sogenannte «location scouting» - die Sichtung oder Besichtigung von Drehorten. Ist ja ein nicht ganz so unwesentlicher Teil des Ganzen.

Von einer Kapelle ging es zu einer Kirche, die ich vorschlug. Mühsam über den Fahrverbots-Feldweg im Combi getuckert, Reifen in der Wegrinne, Boden auf Rasen, holprig und langsam. Die Kirche selbst liegt auf einem Hügel, der Aufstieg kurz aber steil. Der Atem knapp. Da standen wir also vor der Kirche, in der meine Eltern geheiratet hatten. Allerdings war sie schnell taxiert als unbrauchbar, weil eingeschlossen von Wald, inzwischen. Und wir brauchten Aussenaufnahmen. Also leistete ich mir eine ausführliche Innenbesichtigung. ich war noch nie hier gewesen, obwohl wir lange in diesem Dorf gewohnt hatten. Das war allerdings nach der Scheidung der Eltern, weshalb sich das Interesse meiner Mutter an einer Führung zum Hochzeitstempel in Grenzen hielt. Jetzt stand ich also auch drinnen, sah mir die schauerlichen Wandzeichnungen an, die auf den Teil der Bibel zielen, wo Demut und Angst die treibenden Kräfte des Glaubens sind. Also nicht mein Ding. Genau das Gegenteil davon. Köpfungen, Spiesse in Rippen. Füsse waschen war zwar auch mehrfach abgebildet, damit kann ich schon eher was anfangen. Bibelkenner wissen warum. Ich erklärte dem Kameramann meinen Bezug zur Kirche in einer Mischung aus Erleuchtung und Zynismus. Das machte schon Sinn, dass diese Kirche so aussah und die Ehe nicht hielt. Ich hatte sie auf der Fahrt schon als vermutlich «verflucht» benamst. Wir machten uns auf den Heimweg.

Unten beim Auto trafen wir auf einen älteren Mann, der uns direkt auf das Fahrverbot hinwies. Dringlich, leicht säuerlich. Als Kind des Dorfes gab ich mich zu erkennen und begann einen kleinen Schwatz mit dem Mann, der gerade ein paar Festbänke auslud. Er zeigte sich interessiert, wollte etwas über Drohnenkameras wissen und taute merklich auf. Ich erzählte ihm, dass meine Eltern in «seiner» Kirche geheiratet hätten. Er musterte mich streng. «Und, sind sie noch zusammen?». Ich lachte herzlich und erklärte, dass sie schon seit 30 Jahren geschieden seien. Er grinste. «Leute heiraten oft aus den falschen Motiven. In dieser Kirche wurden 25 Ehen geschlossen. Keine hat gehalten».

Ich sags ja: verflucht. Zum Glück wurde ich in einer anderen Kirche getauft.

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