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Gimmas Welt

19.04.2016 111 Reax
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Erst sterben die Grossen, dann Rock N Roll

Rapper Gimma.

Ach, ich bin 35, sorglos. Auch wenn der Alltag zerrt und das Finanzloch juckt: das Dach überm Kopf tropft nicht und der Kühlschrank lernt liebend gerne Yoga bei meinem Übergewicht. Zufrieden sein als neues Credo bewährt sich trotz ewigen Schwierigkeiten. Ich fühle mich jung. Tatsächlich habe ich eine Altersgrenze überschritten, wo plötzlich mehr gehen als kommen.

Es bricht wohl eine Zeit an, in der wir uns vermehrt mit der Endlichkeit beschäftigen müssen. Wenn die abgespacesten Künstler und die härtesten Kampflärmer abtreten, ist es Zeit für ein paar Gedanken zum Ende.

Binnen weniger Tage hat es sowohl Lemmy als auch David Bowie gelupft. Beide natürlich in gewissem Alter. Beide aber auch noch aktiv in Sachen Musik. Beide plötzlich weg, unangekündigt aber doch in beiden Fällen absehbar. Nichts schmälert den Verlust. Ich meine das keineswegs zynisch. Von beiden Musikern besitze ich Alben und habe ich Bücher gelesen. Auch wenn sie nicht auf meiner ewigen Bestenliste stehen, so habe ich doch vor beiden und ihrer authentischen Kunst demütigen Respekt. Ihre Interviews habe ich immer gerne gelesen und von beiden liegt in diesem Moment eines in unserem Klo und zwar zufällig.

Wenn die grossen Namen gehen, schaut man sich nach anderen Stars und grossen Köpfen um: leben sie noch? Was tun sie? Sind sie sogar noch aktiv? Plötzlich sieht man sich das Alter in Klammern (35) wieder bewusster an. So ab (60) stellt sich bei mir eine gewisse Unbehaglichkeit ein, beim Lesen der aktuellen News über sie. Wer ist noch da von meinen Helden?

Gerade Lemmy, Sinnbild der Unzerstörbarkeit. Die totale Antimaterie zu jedem Lebensentwurf. Mir ist nicht klar, wie das bei anderen abgespeichert ist, aber in meinem Kopf galt er als «unsterblich». Auf den hätte ich gewettet, dass er uns alle überlebt. Jeden einzelnen. Locker. Wie Keith Richards. Was macht der eigentlich die Tage?

Zeit ist die einzige Komponente, die alles überdauert. Zeit kennt keine Zeit. Sie ist und vergeht und kommt.

Als wir noch jünger waren, haben wir selten an den Tod gedacht. Sogar als ich an Beerdigungen ministriert habe war das Thema so weit von mir entfernt, ich konnte es nicht einmal klar definieren. Ich konnte lange nicht erklären, was der Tod eigentlich ist. Besonders treffend kann ich das auch jetzt noch nicht, aber zumindest ist das Bewusstsein eingetreten, das Leben und die Mitmenschen bewusster zu erleben und zu schätzen. Es kann urplötzlich sehr schnell gehen. Das lernt man als Jugendlicher an den Kollegen, die plötzlich nicht mehr den selben Schulweg gehen oder im Verein der Grösse nach neben uns aufstellen. Das sind die verwirrendsten Momente der jungen Jahre. Es passt nie zusammen, es ist nie gerecht.

Sie werden alle sterben. Alle unsere Helden werden gehen und wir mit ihnen. Keiner wird verschont. Der Tod ist mit seiner Konsequenz gerecht, plötzlich, fair. Das Leben mag für jeden eine andere Fährte legen, aber am Schluss kriegt er sie alle. Uns alle. Die Alten wie die Helden, die Leisen wie die Lauten, das Alter (0) in den Klammern (99) spielt keine Rolle mehr, es mahnt uns lediglich zu mehr Aufmerksamkeit. Mehr Bewusstsein für unsere Liebsten, unsere Idole und die gemeinsame Zeit.

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