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Gimmas Welt

19.04.2016 55 Reax
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Es sich zu bequem machen

Rapper Gimma.

Herr und Frau Schweizer - so wie ich sie kenne - stehen nicht gern im Rampenlicht. Sie kommentieren zwar gerne, sind aber nicht gern Teil des Spiels. Sie leben bewusst und bescheiden, sichern sich ab und träumen unterm Strich von nicht viel mehr als ewiger Sicherheit und einem entspannten, unauffälligen Dasein. Sind wir ehrlich, dieser Zustand ist durchaus wünschenswert. Nein, ich mache da keine Witze. Es gibt vermutlich wirklich nicht viel besseres als genau diesen Zustand zwischen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, sicher und ruhig.

Aber dieser Zustand, diese süsse Masse aus schleimigem, klebrigem Mulch. Es nimmt komische Ausmasse an. Ich erlebe Arbeitnehmer, die kleben an Sesseln. Wirklich. Die tun wie befohlen, kümmern sich weder nach hinten oder vorne und sind überrascht, wenn äussere Faktoren plötzlich zusammenbrechen und man mit 50 vor dem zigsten Bier resümiert, was der Stress soll. Oder eben, man mogelt sich durch, man ist das souveräne Ameisi, das fleissig ist, aber durchaus weiss, dass nach Feierabend ein schönes bis schöneres Leben wartet. Wie könnte ich das werten? Ich verstehe es ja. Und doch fühle ich mit. Ganz geheuer ist mir das nicht, nämlich. Leute...

Die Gesellschaft lebt nun einmal nicht von diesen Leuten, ausser vermutlich teilweise finanziell. Aber wären die nicht da, wär's auch nicht anders. Alle diese Ameisis müssen zwar bespasst, geleitet, geführt oder sogar versorgt werden. Umsorgt werden. Und je nachdem, wie das geschieht, ändern sich Haltungen und Visionen zu sich und der Welt. Der Kampf um das Ameisi ist sehr breit geführt: Medien, Politik... Dauerbeschuss auf Ameisi People!

Man grenzt sich ab, igelt sich ein. Flüchtet in den Quartier- bis Nationalgeist und sieht dieses Fleckchen als beschützenswert bis zur Absurdität. Man mutiert zum sogenannten Sesselfurzer. Man tut, wie befohlen. Man funktioniert, wie erwartet. Und nötigenfalls wechselt man entweder das eigene Verhalten oder die Firma und den Job so lange, bis man genug wenig auffällt und in Ruhe seine Zahlen tippen oder Steine stapeln kann. Wie gesagt, dagegen ist nichts einzuwenden. Dieses Lebensmodel hat sich über Jahrzehnte in der Schweiz etabliert, es gehört dazu.

Ich mag es nicht bequem. Gar nicht. Ich befinde mich gerne in der ständigen Situation, mich irgendwie beweisen zu müssen. Ob das die Qualität meiner Arbeit betrifft oder mein eigenes Werk... ich lote die Extreme gerne aus.

Neuerdings werde ich aber auch als Person unbequemer. In Gesprächen. In Diskussionen. In Argumenten. In Prozessen. Im offenen Ausspruch der Defizite um mich herum. Und es macht riesigen Spass, wenn ich dabei auf Leute treffe, die das auch so handhaben.

Ich glaube mein Ziel im Leben ist es, ein Bünzli zu werden. Mein Kopf wäre bereit, aber die Mission noch nicht erfüllt. Gebt mir noch ein paar umbequeme Jahre. Vielleicht kann ich der Gesellschaft noch den einen oder anderen Knochen vorsetzen, der gar nicht so doof oder unnötig ist, wie man das oft abtut. Der Kopf ist da, der Körper zieht nach und die Spielwiese hat geöffnet.

Es wird Zeit, die Sesselfurzer frisch zu provozieren. Sie haben viel richtig gemacht, aber genug verhindert. Mal kurz am Spassbaum schütteln und das Wählermehr teilen. Dann darf es gerne für alle bequemer werden! Es geht schliesslich um das Wohl aller.

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