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Gimmas Welt

17.06.2016 39 Reax
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Glück macht glücklich

Rapper Gimma.

Das Streben nach Glück ist ein verdammt anstrengender Mutterficker. Wenn du nichts hast und deine Energie theoretisch nur aus dem Umstand beziehst, dass du aus deinem gegenwärtigen Leben doch bitte ausbrechen mögest, dann ist zwar die Perspektive weit, aber der Fokus beschränkt.

Man sehnt sich nach Aufstieg, Absicherung, Anerkennung. Jede und jeder wären gerne der Grund, warum das Volk stolz Parolen skandiert und die Hoffnung auf die Strasse trägt. Dummerweise ist man leider, sofern man denn diese eine Person ist, üblicherweise ein Diktator, in einem David Guetta Video oder die Band Coldplay. Und all das will man vermutlich nicht sein, eigentlich. Ausser Drummer bei Coldplay, dem armen Kerl kann man nun wirklich rein gar nichts vorwerfen, soweit ich das beurteilen kann, über deren Karriere betrachtet.

Das Glück sei mit den Tüchtigen. Sei es? Glücklich ist, wer glückliches tut? Schlück ins Glück? Reise nach Glückoslawien einfach? Das Glück ist genauso flüchtig, wie all die Syrer, denen eine beeindruckende Zahl Menschen kein Glück zugestehen will. Wenn es deren Glück ist, hierher zu kommen, was ist dann der Preis des Karmas, das diejenigen zu uns anziehen, die dieses Glück bewusst verhindern?

Es sind ja scheinbar die kleinen Dinge im Leben. Aber «klein» ist auch so ein Fluch von einer Formel, die weder in der Wüste noch im Meer aufgeht. Das kleine Glück scheint mir eine Ausrede aller spirituell erleuchteten Yoga Anhänger. Die scheinen dieses Glück definitiv gefunden zu haben, allerdings mutiert dessen Schatten zu einer Ignoranz gegenüber den umgebenden Realitäten, dass wir anderen uns manchmal Fragen, wann die ersten Bekennerschreiben für das Sonnenlicht eintreffen. Als ob wir anderen unglücklich wären, weil wir uns nicht darauf einlassen. So funktioniert übrigens Spiritualität: nicht durch die Tatsache, dass man selbst eine neue Ebene des Bewusstseins erreicht hat, sondern über den Umstand, dass man genau dies gegenüber allen anderen behauptet. Glück geht anders, oder? Naja, einreden kann man sich auch so einiges.

Wohlstand bedeutet Sicherheit. Wenn man die Angst der Schweizer vor dem Verlust der Währung oder vor der Verarmung betrachtet, ist auch hier die Causa Spiritus zu beobachten: wir fühlen uns nicht wohler mit Geld, aber wir fühlen uns wesentlich wohler dabei, Angst vor der Armut zu haben, statt den Reichtum anzunehmen. Wir stehen in einer Stockholm-Syndrom-Situation mit unserem Vermögen. Ausnahme sind wohl die Leute, die noch nie im Leben Hunger hatten. Aber die entwickeln dann den Hunger auf mehr von allem anderen ausser dem Glück und definieren sich als Teil eines Multiplikators für vermeintlichen Progress. Hilft den Erben, nervt die Steuer.

Etwas zu schaffen im Leben sei ein grosser Indikator fürs Glücklichsein. Ich schaffe, also bin ich... glücklich. Was nun allerdings die Frage aufwirft, ob wir denn weniger happy wären, wenn wir nichts geschaffen hätten bis ans Ende unserer Tage. Ehrlich? Ich vermute Nein. Das Grundeinkommen schuldet uns hier noch Beweise, zählt also (noch) nicht.

Jeder habe das Recht auf sein Glück. Allerdings nur, wenn er denn bitte einer von uns ist, am besten wie wir in den Schoss des Schweizer Systems geboren. Ab dem Grenzstein, der Zeugungsfolge oder der Zuwanderung nimmt die Solidarität frappant ab. Hans Adams Kindern gönnen wir noch alles, Deutschen, Romanen, Vatikanierinnen, Austriaken und Italioniken noch viel. Aber spätestens ab der definitiven Sprachbarriere kann man nur hoffen, dass ein ehemaliger Mitschüler aus dem Land stammt, denn wenn nicht, existiert die Gleichheit für das Glück dort nicht. Auch wenn wir die Isländer überhaupt nicht kennen, ihre Bankpleite war uns scheissegal bis sogar von Nutzen.

Nur ein Beispiel.

Glück ist läufig. Es lässt sich penetrieren für die Vermehrung. Aber Glück ist auch eine Staumauer hinter einem leeren See, der einst zum sprengen voll war und jetzt eigentlich nur noch traurig, wie die abgebrannten Motels an der Route 66 mit ihren ausgetrocknetem Pools und verdorbenen Geschichten vom Aufschwung der Vertreter.

Helferkomplexe könnten theoretisch die grössten Indikatoren für Glück sein, der geben ist seliger denn nehmen und wer hilft ist seltener ein Culomensch. Aber obacht, diese Komplexe verdrehen dann auch die Fakten, je nach Anwendung. Wenn du nur hilfst, wo das Unglück bereits zuschlug, zehrst du auch nur am Knochen und bist der Pfropfen auf den Gülletümpel des perpetuum Schicksal mobile. Nur weil jemand nicht mehr krank oder hilfesuchend ist, ist er auch nicht eher der Sonnenschein als die Pissrinne des Alltags. Einreden hilft.

Was bleibt also als Fazit unter diesem Strang an Gedanken? Nun, Glück ist, was du willst. Es ist so persönlich wie es davon abhängig ist, ob du es überhaupt anerkennst. Glück kann alles sein, muss aber nie. Glück kann alles, macht aber nichts. Glück kann. Aber müssen, musst nur du. Und zwar sterben. Auch unglücklich.

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