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Gimmas Welt

19.04.2016 646 Reax
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KESB: das perfekte Feindbild für renitente Eltern!

Rapper Gimma.

Bereits letztes Jahr habe ich es mehrfach erwähnt, in den Interviews zu meinem Buch kam es konsequenterweise öfters zur Sprache und ich bleibe dabei: die KESB ist eine extrem nötige Institution in unserem Land. Ich persönlich hätte mir eine Behörde wie die KESB auf Knien bei Gott persönlich gewünscht nach der wüsten Scheidung meiner Eltern. Auch bin ich überzeugt, dass mein Leben, das meiner Schwester und die vergangene Zukunft meiner Eltern nach ihrer Trennung grundlegend besser ausgesehen hätten, wäre eine KESB damals eingestanden. Es steht sogar absolut ausser Frage. Denn absolut alles, was damals schief hätte gehen können, ging schief - und alles davon (bis auf die Zufälle) wäre vermeidbar gewesen.

Ich möchte mir in keiner Art und Weise anmassen, über den Einzelfall des tragischen Unglücks von Flaach zu urteilen. Für mich ist die Tragik genauso unfassbar, wie für alle. Auch ist das hier nicht ein Text, der suggerieren soll, die KESB hätte in diesem Fall (und in anderen) keine Fehler gemacht. Das möchte ich nicht gesagt haben. Wo ich aber eine Meinung habe, sind die psychologischen Gutachten, die vor Gericht ausgeführt wurden. Dieses Verhalten einer verzweifelten, offensichtlich kranken Mutter, es ist für mich lesbar. Genauso wie ich nachvollziehen kann, wieso Leute plötzlich mit dem Finger auf die KESB zeigen und weiterhin zeigen werden, jedes Mal wenn Menschen zu Tätern oder Opfern werden beim Erwachsenen- und Kindesschutz. Diese noch junge Behörde operiert an einer Stelle im Gesellschaftssystem, wo jeder einzelne Fall auf der Kippe zwischen Erfolg ohne öffentlichen Jubel und Tragik mit grossem medialem Echo steht. Die Tragik von Flaach steht einer grossen Hoffnung auf viele verbesserte Lebenssituationen gegenüber, das sollte man nie vergessen. Auch wenn darüber nicht öffentlich gesprochen wird, noch gesprochen werden darf und kann. Reden tut nämlich beinahe ausnahmslos die Gegnerschaft der KESB und das halte ich mit Verlaub für verdammt gefährlich gegenüber den Kindern, um die es schliesslich geht. Wir untergraben das Vertrauen in ein junges System.

Das von der Zürcher Justizdirektorin Jaqueline Fehr angesprochene Phänomen der Informationsasymmetrie entspricht auch meinen Beobachtungen. Mit der KESB wurde nebst einer Behörde eine offene Projektionsfläche geschaffen. Eltern und Angehörige, die in die aufgezwungene Judikative geraten, schreien oft laut nach ihrem persönlichen Recht. Das ist nachvollziehbar. Fast schon obskur lesen sich allerdings die Fälle, wo die KESB zwar eingesetzt wird, aber zu keinerlei Einigung zwischen Elternparteien führt. Man würde meinen, es ginge einzig um Fremdplatzierungen, liest man die Zeitung. Tatsache ist: viele Elternteile wollen nicht mehr als ihr eigenes Kind öfters sehen.

Bislang wurde dieses Recht vom Richter nach Gesetzgebung schlicht und einfach umgesetzt, bei Scheidungen und Klagen zumindest. Dass dabei oftmals die Interessen unbeteiligter Kinder völlig übergangen wurden, scheint nicht nur in Vergessenheit geraten zu sein, nein, neu werden die Eltern auch noch zum Sprachrohr ihrer Kinder und sprechen durch sie für sich selbst als Richter. Die Emotionen überfluten jede Rationalität, was beim Thema Kind keine Überraschung ist. Die aktuelle öffentliche Realität?

Abklärungen zum Kindesschutz aufgrund von Hinweisen und Anfragen: KESB ist schuld. Die Kinder werden fremdplatziert: KESB ist schuld. Die Kinder weinen jetzt: KESB ist schuld. Die Grosseltern kommen nicht an die Kinder ran: KESB ist schuld. Mein ehemaliger Partner fordert Rechte ein: KESB ist schuld. Ich entführe mein Kind: KESB ist schuld. Ein Unglück während einer Massnahme passiert: die KESB ist immer schuld. Früher waren anonyme Anwälte, wenig öffentlich bekannte Richterköpfe, seltener die Polizei und häufig Soziale Dienste schuld. Jetzt konzentriert sich der Hass auf Vier Buchstaben. Statt einer Chance für das Kind haben die renitenten Elternteile jetzt das perfekte Schlagwort.

Kein Mensch der Welt wird gerne bevormundet. Eltern schon gar nicht. Die Bevormundung eines Vormunds übersteigt die Realität von Narzissten. Das sieht man an den gescheiterten Einzelfällen überheftig. Man sieht es aber auch bei denjenigen renitenten Eltern, die in der KESB ihr Feindbild gefunden haben. Da verwehren Leute lautstark ein Besuchsrecht am Kind, fliehen vor der Justiz und proklamieren am Schluss tatsächlich, daran Schuld sei die Schutzbehörde selbst. Clever. Es fällt auch auf, wie diese in meinen Augen fehlbaren Parteien immer lauter schreien als ihre stummen Ex-Partner leise zuhören müssen. Es scheint, als hätten all diese wütenden Personen etwas zu befürchten, denn hätten sie das nicht, liesse sich ein Verfahren aussitzen. Punkt. Die Gesetzgebung hat Hand und Fuss. Würde man im Interesse eines Kindes handeln wollen, die KESB wäre vermittlungsbereit. Aber davor hat der Narzisst Angst, er müsste sich Fehlbarkeit zugestehen. Der Narzisst verweigert nicht nur die Kooperation, nein er benennt neuerdings auch umgehend den Schuldigen daran - sie werden es erraten haben: die KESB ist schuld, dass nicht mit der KESB gearbeitet werden kann. Zum Wohle des Kindes sei das nicht. Was ist denn dann zu seinem Wohle? Verweigerung der Kooperation? Sehe ich nicht ein. Was genau befürchten diese Leute? Fürchten sie wirklich um das Wohl des Kindes oder fürchten sie das Wissen um die eigenen Fehler? Fürchten sie sich selbst?

Ich für meinen Teil hätte gerne ein gesundes Verhältnis zu beiden Elternteilen aufrecht erhalten. Leider wurde uns das verunmöglicht. Schuld daran ist übrigens auch die KESB - denn die gab es damals noch nicht.

Ich wünsche mir für viele Kinder gute Lösungen. Auch faire Lösungen für die Eltern. Für alle. Darum muss es gehen.

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