Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Gimmas Welt

21.06.2016 2'047 Reax
teilen
teilen
284 shares

Lieber Andy Glarner

Rapper Gimma.

Wir kennen uns nicht. Aber wir haben sehr viel gemeinsam. Glaubst du nicht? Lass mich aufzählen: Wir beide sehen nur mässig gut aus, an uns haftet der Ruf des latenten Sexismus, wir nutzen rege die sozialen Medien, wir teilen gerne aus, wir stecken nicht so gerne ein, wir haben einen ausgeprägten Lokalpatriotismus entwickelt, der manchmal sogar etwas ins Absurde führt, wir interessieren uns für Politik, Fakten interessieren uns im Affekt aber wenig, über unser eigentliches Berufsleben weiss man nicht so viel, wir lachen gerne über andere, und wir sind gewiss nicht die einfachsten Zeitgenossen in jeweiligen Diskussionen. Der Unterschied ist allerdings, das dein Arsch für eine Partei gemäss Volkswillen in Bern sitzt und meiner nicht. Ich bin Texter, Kolumnist und sogenannter Rapper. Von mir darf man nicht allzuviel erwarten, ich geniesse den Zusatz «Berufsjugendlicher», du hingegen bist Mitglied des Parlaments.

Ich weiss ja nicht, ob ihr in Bern euch so verhaltet, wie wir Berufsjugendlichen untereinander. Aber wenn ich von uns auf euch schliessen darf, müsst ihr also ein ganz glatter Haufen sein, da in Bern.

Dass Politiker Fakten zu ihrem eigenen Nutzen umkehren, ist bisweilen bekannt. Auch dass nicht alle politischen Vertreter/innen es immer mit dem Anstand halten, hat sich herumgesprochen. Das ist aber ein Verhalten, das von ganz Links bis ganz Rechts menschlich ist, da gitz. Von da her bist du kein Sonderfall. Dass aber ein Politiker Leute an den Pranger stellt, einer, der selbst durchaus als cholerische Mimose gilt, das ist sogar für mich neu.

Da hast du zwei Frauen blossgestellt, die dich offenbar bei Twitter zu oft angegangen haben. Hast du Twitter eigentlich verstanden? Du weisst, wie Twitter funktioniert, gell? Eben. Dass da jeder jedem jederzeit auf die Pelle rücken kann, ist Teil des Spiels. Das kann man doof finden und Leute blockieren oder eben, sich selbst ausklinken oder abgrenzen. Abgrenzen, das kennst du auch, das ist das mit den Zäunen und den bewaffneten Uniformierten, dort wo nichts durch darf, was brauner ist, als eure Gesinnung oder roter als der eigene Blackout offensichtlich nach einem vermeintlichen Tiefschlag frauseits. Man könnte dort wirklich auch Grenzen ziehen, es ginge. Und manchmal bewährt sich das. Ich rede aus Erfahrung, auch wenn ich inzwischen Twitter grossräumig umschiffe, aus eben solchen Gründen.

Schau, wir sind beide verschupfte, latent hässliche Vögel mit einer gewissen Selbstherrlichkeit aufgrund unserer Tätigkeiten. Ich kenne das. Kritik kann absolut nervtötend sein, vor allem, wenn man ständig in der halbgaren Zone der Halbwahrheiten fischt mit einem Köder, der normalerweise nur die seicht gebildeten Wutbürger anzieht. Polemik kennsch? Wenn da Fakten kommen, ja das kann akut gesprochen manchmal etwas in die Enge treiben und ein altes Sprichwort aus Syrien lautet ja: «Wer mit dem Rücken zur Wand steht, sollte nicht feucht furzen». Da müssen wir durch, Andy, da müssen wir durch. Auch wir. Sogar wir.

Ich empfehle dir als Volksvertreter für die Zukunft eine Massnahme, damit auch du dein Leben im Rahmen deines Miliz-Engagements fürs Volk wieder mehr geniessen kannst: sei kein Arschloch. Du bist nämlich gerade eines von der Grösse eines eigenen Planeten und auch wenn du wie bereits angetönt einen Astral-Schweif um dich schwingst wie eine Tunika, so brauchst du deinen niederschwelligen Hass nicht an denen auszulassen, die sich nicht im selben Rahmen zur Wehr setzen können. Sei ein Mann. So mit Eiern. Schluck die Kritik. Denn denk dran, alle lesen mit. Und irgendwann läufst du denen über den Weg, die das persönlich nehmen. Und das ist dann weniger lustig. Glaub mir.

In diesem Sinne: gutes Entwickeln... dein ebenfalls nicht ganz gewaschener Beobachter Gimma. Wir sehen uns.

teilen
teilen
284 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages