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Gimmas Welt

19.04.2016 60 Reax
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Meienberg schrieb «Versam, Valendas, Ilanz»

Rapper Gimma.

Niklaus Meinenberg nannte den damaligen Zustand «Mäanderstrasse». Wenn man in Graubünden von Domat/Ems her über Bonaduz Richtung Bündner Oberland fährt, anstatt die schnellere Verbindung via Reichenau und Trin zu nutzen, erlebt man etwas. Auch ich habe eine Geschichte zu dieser Strecke, im speziellen zum Ort Valendas. Folgt man nämlich dort nicht weiter dem Weg nach Ilanz, sondern fährt links weg den Berg hoch, landet man nach einigen Kilometern in der alten Walsersiedlung Dutjen. Diese hat je nach Saison zwischen 12 und 21 Einwohner. Nummer 21 war einst ich, zugezogen mit der Familienkonstruktion von damals. Ein Asylant auf der Alp quasi.

Es war während der Lehrzeit. Keine gute Zeit für Entriss der Wurzeln und Neupflanzung in der Pampa. Es ging damals wie das meiste eher um das Wohl und die Gesundheit der Restfamilie, vermutlich musste man auch sparen - und so nahm man einen sensationellen Arbeitsweg von ca. 60 Minuten mit dem Auto in Kauf... notabene für eine Strecke von ungefähr etwas mehr als 10 Kilometer Luftlinie. Absurd, oder? Nicht für diese Familie.

Fährt man die lange Wald-Passage Richtung Schlucht, gibt es diese einzige Kurve nach Links, wo sich der Wald lichtet. Er lichtet sich allerdings nicht zugunsten neuer Flora, sondern er bricht ab in eben, eine Schlucht. Menschen mit Höhenangst macht eine solche Strasse ab hier grosse Angst: Leitplanken aus Stein, angekratzt, permanenter Steinbruch, teils fehlende Absperrungen. Und das mit Abstand schlimmsteste ist die Tatsache, dass man bei der Einfahrt ständig Rechts fährt und somit die ganze Zeit diesen Abgrund sieht, als Beifahrer. Das sind einige Meter abwärts, je nach Abschnitt. Und das dauert mindestens eine halbe Stunde an. Mit Höhenangst und einer gewissen Phobie vor Autos ist man da schlecht bedient.

Sie dürfen dreimal raten, wer hier Angst vor Autos und Abgründen hat. Richtig, der da. Und der da musste jetzt täglich einmal von Dutjen nach Chur und umgekehrt. Und ebenfalls erwähnenswert sind die beiden Unfälle, die ich erleben durfte als Verkehrsteilnehmer passiv. «Do gohts denn recht z Loch ab, wenn di verdrehsch...».

Mein Hass gegen diese Strecke ging so weit, dass ich auf jedem erdenklichen Weg Geld anfragte, um mir ein Zimmer in Chur leisten zu können. Meine Ausbildungsstätte gewährte mir schliesslich Asyl in hauseigenen Immobilien und dafür werde ich mein Leben lang dankbar sein.

Lustig ist, dass Meienberg sich über Chur auslässt und romantische Schreibe für die Versamer-Strecke übrig hat. Nun bei mir ist es zwar nicht das Gegenteil, allerdings hat mich diese Strecke gequält und die Stadt Chur schliesslich vor ihr gerettet. Aber - und jetzt wechseln wir in den touristischen Sektor - wer gerne Auto oder Fahrrad, Töff oder wasauchimmer fährt, dem sei diese Strecke ans Herz gelegt. Und zwar primär die Episode von Bonaduz aus. Es ist eine unfassbar schöne Strecke mit eindrücklicher Kulisse und Historie. Nehmen Sie eine Kafi im Dorf Bonaduz und essen Sie auf dem Rückweg in Flims. Nehmen Sie für den Rückweg die neue Route, die ich zu Eingang erwähnt habe: Trin, Reichenau und ab nach Hause. Sie werden mir danken für diese Ausflugsidee. Mich hat die Strecke bis zum Herzkasper gefordert, aber das heisst nicht, dass sie nicht einzigartig schön ist.

PS: Wer noch nie Riverrafting auf dem Rhein betrieben hat, soll das gleich auch noch mit einplanen.

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