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Gimmas Welt

28.06.2016 76 Reax
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Mein Dorf war so gross

Rapper Gimma.

Der Zug kam pünktlich in Domat/Ems an am Sonntag. Ich lief den kleinen Weg ins Unterdorf auf der hinteren Seite des Bahnhofs, vorbei am Haus des damaligen Gemeinde-Präsidenten, den ich damals sehr mochte. Sein Sohn ging mit mir zur Kantonsschule und ihre Familie war eine von diesen Familien, die mich nicht spüren liess, dass ich aus der dunklen Zone des Oberdorfs stammte, dort wo die wilden Eltern siechen. Diese Wege, diese Strassen - Vias - kamen mir damals so gross und dramatisch vor. Es war damals schon ein Abenteuer, vom Oberdorf ins Unterdorf zu radeln. Wir dachten ja, dass alle Jungs in unserem Alter so zu sein hätten wie wir, dass alle ähnlich wären. Wir kannten die Jungs vom Unterdorf nur vom Fussball oder den anderen Sportvereinen, aber sonst liessen sich die nie bei uns oben blicken, auch wenn alle drei brauchbaren Bolzplätze bei uns im Oberdorf waren. Nur, wenn diese Buben vom Unterdorf so wären wie wir, gäbe es ständig Schlägereien und Stress. Deshalb mieden wir diese Typen für Jahre. Nur, die waren nicht nur genau so wie wir, die wollten sich auch genauso wenig prügeln wie wir. Das lernten wir aber erst in der Oberstufe oder wie ich eben in der Kantonsschule. Bis dann schlichen wir uns durch die Wege rund um die Quartiere, hielten uns eher an den Dorfrand und erkundeten lieber Gegenden, die direkt an unseren Heimgrund grenzten.

Die Strassen schienen mir so gross. Heute gehe ich diesen Weg und merke wie ein gewaltiger Kloss Melancholie hochkommt, als ich das Haus passiere, in dessen Garage sous-terre wir unseren ersten Übungskeller als HipHopper hatten. Dort wo sich langsam abzeichnete, wer wirklich Lust an Musik hatte und wer wirklich ein Flair für Worte oder Scratches entwickelte. Wo wir staunend zusagen, wie unser DJ erste Backspins zauberte, Flares. Wo ich jedes mal aufs Neue versuchte, mit einem einzelnen Satz und Reim aufzufallen. Ich weiss gar nicht, ob ich damals mit irgendwas auffiel ausser mit meinem Fleiss. Vermutlich nicht.

Ich hole mein Paket und laufe wieder zurück zum Bahnhof. Die Wege schienen mir grösser. Mein Horizont reichte knapp bis zum Dorfrand. Ab der Oberstufe immerhin bis Chur. Wenn ich jetzt nach all meinen Reisen und Abenteuern hier wieder durchspaziere, realisiere ich erst, wie klein und eng hier alles ist. haus an Haus an Hochhaus, Gässchen, Läden, Haltestellen und alles spannende rundum verteilt am Rand, aufschliessend zur Ems Chemie oder Richtung Chur.

Es schien mir so gross, jetzt scheint es mir so alt.

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