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Gimmas Welt

19.04.2016 72 Reax
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So ein Wochenende, SO EINS...!

Rapper Gimma.

Freitag waren Swiss Music Awards. Ich, zu keiner Szene gehörend, zu keinem Label, eigentlich absolut irrelevant gegenwärtig im musikalischen Geschehen dieses Landes. Ich bin quasi mit 35 ein Auslaufmodell. Deshalb auch nicht nominiert. Eigentlich war ich nur dort, weil jemand mich kennt, der dort etwas zu melden hat. Dachte ich. Aber es kam anders und das hat mich extrem gefreut.

Was mir eigentlich nie richtig klar war, ist, dass ich da ja tatsächlich dazugehöre. Ich wohne in Chur. Immer hier geblieben. Darum habe ich vermutlich so einen grosszügigen Abstand zu dieser ganzen Kiste, zu dem, was man wohl «Musikszene» nennen würde. Aber an diesem Abend habe ich festgestellt, dass sich das Blatt um mich herum gewendet hat. Also nicht ich um das Blatt...umgekehrt. Der erste lustige Moment war die Tatsache, dass ich nach der Garderobe auf den roten Teppich geleitet wurde. Es gibt da so eine Art «Vorauswahl» irgendeiner Art. Der Pöbel muss direkt zum Apero und die Käuze müssen vor die Presse. Und da standen Dirk und ich plötzlich neben Antoine und seinem neuen Modegestell, wurden vom Chef persönlich begrüsst, gaben alten Bekannten Umarmungen und wurde binnen weniger Sekunden zigfach fotografiert und befragt. Darauf war ich nicht gefasst. Und obwohl ich mich mehr oder weniger aus der Affäre gezogen habe indem ich mich weggemogelt habe, war's herrlich. Ich hab's gefeiert, ganz ehrlich, es hat mir gut getan.

Und dann diese ganzen Leute wiederzutreffen. Ich habe binnen weniger Minuten mit allen Männern in Melanie Winigers Leben rumgespasst, mit Hitparaden-Garanten gelacht, bekam Küsse von Moderatorinnen und Models (ja, ich habe auch gestaunt) und durfte feststellen, dass ich nahezu alle Nominierten des Abends gut kenne und persönlich mag. Das hat sich verändert. Die ganzen Nörgler, Hater und Neider sind weg. Einfach raus aus der Nummer. Tschüss, Schluss fidibus. Also habe ich gefeiert, auch mich ein wenig. Der Tag an dem ich keinen Scheiss mehr auf irgendwas gegeben habe wurde offiziell zu meinem ersten Tag als Teil dieser «Szene». Das hat unfassbar gut getan. Keinen Fick auf nichts mehr geben müssen und sich endlich locker machen. Endlich. Keine Verpflichtungen. Einfach sein.

Tags darauf war ich wieder in Chur, epischer Langweiler der ich bin. Aber bei Freunden zum Philo-Zirkel aufgeboten. In der Euphorie des Vortages hatte ich eine leichte Frühschlagseite. Man hat zu Raclette eingefeiert. Ich gab immernoch keinen Fick auf irgendwas und jeder Vorschlag wurde mit «JA!!!» beantwortet (Ja, PLUS 3 Fragezeichen). Entsprechend zog sich die Feierei in die mittlere Länge. Allerdings endete sie auch schon kurz vor Mitternacht mit offener Hose vor der Haustüre. Schlüssel liess ich gleich draussen stecken, falls die Einbrecher keinen Extra Aufwand wollen. Die Kleider verteilte ich effektreich zwischen Türe und Balkon. Und gemäss dem Zustand der Küche habe ich wohl versucht ein rohes Ei zu verspeisen. Wahrscheinlich schwante mir der Morgen danach.

Kurzum: ich bin feiernd abgestürzt. Das passiert absolut selten. Höchstens einmal im Jahr und dann genau so unangekündigt. Aber eben, etwas war anders. Nicht dass ich in irgendeiner Art und Weise solches Verhalten feiern würde, nein solche Semi-Blackouts sind eher etwas unwürdig und gar nicht so mein Ding. Auch die verlorene Jacke und die verzweifelte Rekonstruktion des Hergangs waren ziemlich peinlich, zugegeben. Blackouts sind doof, Punkt. ABER - und hier habe ich mich selber überrascht - es war mir egal. So Bukowski mässig scheissegal. Ich hatte keine Schuldgefühle. Ich hatte gar nichts. Das einzige, was mich nach wie vor beschäftigt, ist, ob ich den armen Taxifahrer korrekt bezahlt habe, der mich in diesem Zustand fahren musste. Naja, wahrscheinlich hat er ja immerhin auch noch meine Jacke (Nachtrag der Red.: hat er nicht, ich kam ohne Jacke an gemäss Augenzeugen). Und sonst darf er sich gerne melden und ich werde mich gebührend erkenntlich zeigen und selbstredend entschuldigen. Für was auch immer da wieder geleistet haben möge. (schüüüli schöööner Satz btw)

Aber meine Güte. Andere verbringen ihr Leben so. Ich habe es jetzt ein Wochenende gemacht und verdammt es hat sich nach Leben angefühlt, für einmal keinen Fick zu geben. Danke allen, die dabei geholfen haben!

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