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Gimmas Welt

03.08.2016 39 Reax
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Sommerschlussgedankenstahlträger

Rapper Gimma.

Ich sitze auf einem Stahlträger, mitten in der Pampa. Die Strasse hat etwa 10 Meter weiter oben geendet, es gibt noch wilde Versuche eines Trampelpfades. Durch diese Rüfe muss irgendwann die letzten Jahre ein gewaltiger Rutsch sein, denn es sieht aufgeräumt aus. Strukturiert, eingezäunt, planiert. Auf jeden Fall nicht unnatürlich und das wirkt schräg, den hier ist die Natur sich weitestgehend selbst. Weder der Verkehr noch besonders viel Fussvolk verirrt sich in dieses Tobel gegenüber von Haldenstein. Die Sonne brennt, der Arsch wird warm und die Hose rostig. Ich leere ein Bier, ganz für mich alleine, keiner da. Denke an nichts, höre dem Wasser zu und verstehe doch nichts.

Ich habe wirklich praktisch nie Besuch. Schon gar nicht von sogenannten «Alten Bekannten» aber Ari ist so lustig, dass ich sogar effektiv plane, mit ihm das Spiel England gegen Island an der EM zu schauen. Und es endet so, wie ich es erwartet habe: wirre Fotos auf dem Handy, Kopfweh, getrashte Wohnung. Allerdings war mit dem Sieg ja nicht wirklich gerechnet worden hier im Hause. Wir sind ja auch verkappte England Supporter. Zumindest wenn diese nicht gerade gegen Island spielen oder eben gegen die Schweiz lieber auch nicht.

Wir stiegen über das Gitter, gleich nach der Premiere. Ich hatte noch das letzte Bild der Militärs im Kopf, als ich meinen Fuss in den Zaun stemme, um eine Straftat zu begehen. So ein Pool will erobert werden, auch mit 36. Auch wenn die jugendliche Leichtigkeit und Eleganz neuerdings nur noch ächzendes Transportieren eines gewaltigen Fettpolsters bedeutet.

Als ich die letzte Seite meines neuen Buches ausschreibe, muss ich kurz innehalten, wegen Verwirrung.  Ja, Schreiben heisst mein ewiges Hobby. Vielleicht verwerfe ich das Buch genau deswegen. Bin mir da unsicher gerade.

Sie liest laut aus meinem Blog vor und findet einen Satz besonders spannend: «Auf diesem Balkon hatte ich Sex». Ja? Und? «Wir reden von diesem Balkon hier?», sie senkt leicht vorwurfsvoll den Satzabgang und zeigt mit dem ausgedruckten Blogbeitrag leicht enerviert Richtung eben diesem Balkon.

Es war nicht mein Sommer, es war irgendwie gar kein Sommer. Die schwache Liebe zu Island gab etwas Freude, das Wetter lud an wenigen Tagen unter die Sonne ein, die Nächte waren kurz und langweilig.

Es schneit im Juni. Okay. Jetzt habe ich wieder alles gesehen, was zu sehen war und kann mich wieder mit Brettspielen und nicht-auf-Tinder-sein beschäftigen, während ich Badkappen für den Winter häkle. Als du mir zu fehlen begannst. Es war ein Montag, komischerweise. Meistens ziehen Montage an mir vorbei. Man quält sich geleeartig durch den langsamen, klebrigen Tag. Fragt sich Nichtigkeiten bis man sich selbst glaubt, das Richtige zu tun. Abends fesselt vielleicht noch kurz die Glotze, ein Buch flankiert die öde Trägheit in den Schlaf. Hauptsache Dienstag.

An Schlaf war aber nicht zu denken. Ich lag auf dem Sofa, nahm nebenher noch knapp die Stimm-Fetzen der US-Serie wahr, die mich nur periphär kitzeln. Früher habe ich das Zeug gefressen, wollte up to date sein und mitreden können. Heute langweilt mich das Format «Serie» per se und ich traure den Stunden nach, die ich damit wohl verloren habe. Oder eigentlich nicht, eigentlich freue ich ja über jede Erfahrung. Aber Bücher wären wohl besser gewesen. Meine Gedanken schweifen im Kreis ab. Diese Spirale kennt keinen Himmel und keinen Boden. Es kreiselt um sich.

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